Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 3. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Ei, rief Alexander lächelnd, das ſind Sentenzen, die gar ſehr an den General Blücher erinnern.

Ew. Majeſtät haben Recht, es iſt die Stimme Blüchers, ſagte der König, er wird ſeinem Unmuth ein wenig Luft machen, vielleicht auf unſere Koſten! Hören wir nicht auf ihn!

Im Gegentheil, ich bitte Ew. Majeſtät um gütige Erlaubniß, doch noch ein wenig zuhören zu dürfen, ſagte Alerander freundlich. Es liegt etwas in der Stimme des Generals, das erfriſchend und geſund iſt, wie ein reiner Wind, der die üblen Dünſte vertreibt. Ach, hören Sie nur, Sire, jetzt tobt die Stimme wie ein wahrer Orkan, der die ganze Welt in Trümmer werfen möchte.

In der That, die Stimme da drinnen in dem Nebengemach war noch lauter, noch heftiger geworden, und da der Kaiſer Alexander gerade ſo ſaß, daß ſein geſundes Ohr der Thür zugewandt war, ſo konnte er deutlich jedes Wort vernehmen, das dieſe Stimme ſprach.

Was? brüllte ſie jetzt. Ihr haltet es wirklich für möglich, daß ſie den Feldmarſchall Kalkreuth zum Obergeneral machten und ihm die junge prächtige Armee anvertrauten? Herr Gott, weiß man denn nicht, daß der Kalkreuth, ein ſo prächtiger Menſch und ſo tapferer Soldat er auch iſt, doch kein Mann dazu iſt, um dem Napoleon gegen⸗ über zu treten? Weiß man denn nicht, daß der Feldmarſchall den Bonaparte liebt und bewundert, und daß er die Feindſchaft mit Frank⸗ reich als großes Unglück für Preußen betrachtet? Wie könnte denn Der jemals eine Schlacht gewinnen, er, der niemals gerade aus⸗ ſchauen würde auf das Schlachtfeld hin, ſondern immer hinüber ſchielen würd' um zu ſehen, was der Napoleon für'n Geſicht macht und ob er auch nicht die Stirn in Falten legt über die Vermeſſenheit der Preußen, die ſich unterſtehen, dem großen Napoleon'ne Schlacht ab⸗ gewinnen zu wollen. Und wenn dann der Kalkreuth*mit dem einen Auge die preußiſche Armee beſichtigte, würde er mit dem andern immer nur das Stirnrunzeln Bonaparte's beobachten. Wir brauchen aber'n Mann mit einem geraden Blick, der ſeine Augen gerade aus auf das Ziel richtet. Wir können keine Schielwippen gebrauchen! Zum Teufel alle Schielwippen, denn man weiß niemals recht, wie man mit ihnen