ſie die Schmach von ſich abſchüttelten, und dem Tyrannen ihre Stirn zeigten. Nun iſt ſie todt, und die Freiheit iſt mit ihr geſtorben!— Nein, rief ich, nein! Aus ihrem Grabe wird die Freiheit erblühen! Deutſchland wird aufſtehen, um den Märtyrertod der Königin Louiſe zu rächen, Deutſchlands Zorn wird entbrennen vor dieſem neuen hei⸗ ligen Opfer, das die Tyrannei Napoleons uns gekoſtet! Ja, gewiß, Deutſchland wird aufſtehen, um Louiſe zu rächen!— Er ſah mich lange an, und ſeine Thränen hörten auf zu fließen, dann nach einer langen Pauſe ſagte er: Wenn es ſo iſt, wie Du ſagſt, wenn Deutſch⸗ land zum Schwert greift, und ſich erhebt aus dem Staube, was wirſt Du alsdann thun, Leonore? Wirſt Du daheim bleiben und Strümpfe ſtricken und Charpie zupfen, oder wirſt Du den Muth haben, dem Vaterland Dein Herz, Dein Blut, Dein Leben zu opfern, und eine Heldin zu ſein?— Ich werde den Muth haben, rief ich freudig, ich werde dem Vaterland mein Blut und mein Leben weihen, und auf dem Schlachtfeld den Sieg erſtreiten helfen oder ſterben!— Die Augen meines alten Lehrers ſtrahlten vor Wonne. Schwöre es mir, Leonore, ſchwöre es mir bei Allem, was Dir heilig iſt, ſchwöre es mir beim Andenken an die Königin Louiſe!— Ich legte meine Hand auf die Bibel, und ſchwur ihm beim Andenken an die Königin Louiſe, für das Vaterland zu kämpfen wie ein Held, wie ein Mann!— Jetzt gehe ich aus, meinen Schwur zu erfüllen, und da mein guter, alter Lehrer ge⸗ ſtorben iſt, habe ich mir ſeinen Namen als Erbtheil genommen, und nenne mich nach ihm Carl Renz. Mir ſcheint, es iſt nun eine doppelt heilige Pflicht für mich tapfer zu ſein, denn ich muß dem Namen meines Lehrers Ehre machen.
Und Du wirſt ihm Ehre machen, deſſen bin ich gewiß, rief Caro⸗ line. Aber auch ich will ihm Ehre machen, das ſchwöre ich Dir, Leo⸗ nore! Mich hat kein Lehrer dazu angetrieben, das Vaterland zu lieben. Es iſt mir ſo von ſelbſt gekommen, vielleicht weil ich nichts Anderes zu lieben hatte. Ich ſtehe allein auf der Welt. Meine guten Eltern ſind todt, Geſchwiſter habe ich nicht, einen Liebſten auch nicht, und da ich denn nichts hatte, was ich lieben könnte, ſo habe ich mein Herz dem Haſſe hingegeben. Ich haſſe die Franzoſen, und vor allen Dingen


