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. Sheodor Rörner.
Ein neuer Zug Freiwilliger war von Berlin gekommen und heute in Breslau angelangt. Auf dem großen Marktplatz, der Ring genannt, waren ſie ſo eben von den Wagen geſtiegen und hatten in dem ſchönen, mitten auf dem Platz belegenen Rathhaus ihre Quartierbillets erhalten.
Eben traten zwei dieſer Freiwilligen wieder aus dem Rathhaus hervor und ſchritten Arm in Arm die Stufen der Vortreppe hinunter. Es waren zwei junge Männer von zierlichem, zartem Wuchs, von ſelt⸗ ſam jugendlichem Ausſehen. Nicht der kleinſte Schimmer eines ſproſ⸗ ſenden Bartes war um die friſchen, rothen Lippen ſichtbar, und ſo durchſichtig weiß und zart waren ihre Stirnen, als habe nie ein rauhes Lüftchen oder ein Sonnenſtrahl ſie getroffen. Aber Niemand war ver⸗ wundert geweſen über ihre Zartheit und ihre Jugend, denn man war es jetzt gewohnt, daß die Knaben es den Jünglingen und Männern gleich thaten, und daß der Muth und die Tapferkeit von dem Geburts⸗ jahr nicht mehr abhängig war. Neben den bejahrten Männern ſah man eben erſt confirmirte Knaben in die Reihen der Freimzgigen treten, und mit derſelben Kraft und Energie ihre Gewehre handhaben, wie die kriegsgewohnten Soldaten.
Niemand hatte daher auch Anſtoß genommen an der Jugend und Bartloſigkeit der beiden jungen Männer, die eben aus dem Rathhaus kamen und Arm in Arm über den Platz dahin ſchritten.
Jetzt alſo iſt unſer Loos geworfen, ſagte der Eine von ihnen mit einem köſtlichen Lächeln. Wir ſind Soldaten!
Ja, wir ſind Soldaten, rief der Andere, und wir werden tapfere ſein, Caroline!
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