Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 2. Band (1859)
Entstehung
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Il. Eleonore Prohaska.

Der alte Wachtmeiſter Prohaski ſaß traurig und ſinnend auf ſeinem ledernen Lehnſtuhl am Ofen; vor ihm lag ein Blatt der Voſſiſchen Zeitung, in dem er ſo eben geleſen. Seufzend hatte er es bei Seite gelegt; das Haupt an das Lederpolſter gelehnt, ſtarrte er in das Leere, und blies große Rauchwolken aus der kurzen Thonpfeife, die er im Munde hielt.

Unfern von ihm an dem kleinen Nähtiſch, der da in der Niſche des einzigen Fenſters ſtand, welches Tageslicht in dieſes kleine düſtere Gemach einführte, ſaß ein junges Mädchen, emſig damit beſchäftigt, aus einem großen Stück Leinewand die Fäden auszuzupfen und ſie ſorgfältig auf den großen Haufen Charpie zu legen, der ſchon vor ihr auf dem Tiſch ſich erhob. Es war ein junges Mädchen von kaum achtzehn Jahren, aber ihr edles bleiches Antlitz hatte einen Ausdruck ſeltener Kühnheit und Energie, ihre Stirn war hoch, und unter der breiten Wölbung derſelben ſchienen große und ſtarke Gedanken zu wohnen. Zwei große ſchwarze Augen blitzten unter den hochgeſchwun⸗ genen, dichten, ſchwarzen Augenbraunen hervor, die ſich faſt über der Wurzel der edelgeformten, leicht gebogenen Naſe berührten. Um ihre etwas aufgeworfenen, purpurrothen Lippen ſpielte ein Zug düſterer Schwermuth, und auch die Farbe ihrer Wangen ſchien nicht Krankheit, ſondern nur der Kummer gebleicht zu haben. Ihre Geſtalt war hoch und kraftvoll, aber es fehlte derſelben die Ueppigkeit und Fülle. Ihre ganze Erſcheinung hatte mehr Ernſtes und Heroiſches, als Anmuthiges und Liebliches: während ſie ſo bei ihrer Arbeit ſaß und Charpie zupfte, fuhr es zuweilen wie dunkle Wolkenſchatten über ihr Antlitz hin, und ihre Augen hoben ſich zum Himmel empor, wie mit einem Blitzſtrahl zorniger Anklage.

Jetzt auf einmal warf ſie die Leinwand mit heftigem Ungeſtüm zur Erde und ſprang auf. Nein, Vater, rief ſie hochathmend, ich halt's nicht länger aus!