Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 2. Band (1859)
Entstehung
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Preußens mit Frankreich unterrichtet ſein und daß er ſomit ſeinen Zweck erreicht haben würde.

Ew. Excellenz begeben ſich noch nicht zur Ruhe? fragte Richard, als der Miniſter, ſtatt den Corridor bis zu ſeinem Schlafgemach hin⸗ unter zu gehen, jetzt vor der Thür ſeines Arbeitszimmers ſtehen blieb.

Nein, mein Herr Geheimſecretair, ſagte Hardenberg lächelnd. Da Sie einmal noch wach und ſo überaus munter ſind, ſo wollen wir noch eine kleine geſchäftliche Conferenz mit einander halten. Kom⸗ men Sie!

Die Diener hatten kaum die Lichter auf den Tiſch niedergeſetzt und das Zimmer verlaſſen, als das Antlitz des Staatskanzlers plötzlich einen ernſten, geſpannten Ausdruck annahm. Mit ungeſtümer Haſt ſeinem Geheimſecretair mit einem Wink ſeiner Hand Schweigen ge⸗ bietend, eilte er zu ſeinem Schreibtiſch hin und ſchrieb raſch einige Zeilen nieder.

Richard, ſagte er dann, die Feder bei Seite werfend und das Haupt nach dem jungen Mann hinwendend, der erſtaunt ſeinem ge⸗ heimnißvollen Weſen zugeſchaut hatte, Richard, kommen Sie hierher!

Der junge Mann eilte zu ihm hin, und als Hardenberg ihm jetzt mit einem freundlichen Lächeln ſeine Hand darreichte, neigte ſich Richard und drückte einen innigen Kuß auf dieſe Hand.

Ach, ſo heiße und glühende Lippen, wie die Ihrigen, ſollten nur ſchöne Mädchen küſſen, ſagte Hardenberg lächelnd.

Dieſe Lippen küſſen aber lieber die Hand meines Wohlthäters, meines Beſchützers, rief der junge Mann leidenſchaftlich, die gütige Hand des Mannes, der mich der Armuth, dem Elend und der Ver⸗ zweiflung entzogen hat, der mich ernähren, erziehen und unterrichten ließ, und der, bis ich ſelber durch ſeine lieberale Güte dieſe heilige Pflicht übernehmen konnte, meiner armen kranken Mutter eine ſorgen⸗ freie Exiſtenz ſicherte.

Reden wir nicht von dieſen Bagatellen, ſagte Hardenberg leichthin. Sagen Sie mir: lieben Sie mich ein wenig?

Unausſprechlich, Excellenz, mit der Zärtlichkeit eines Sohnes, mit der Ergebenheit und Treue eines Dieners.