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gegenwärtig? Haben Sie genaue Kenntniß von den einzelnen Um⸗ ſtänden deſſelben?
Ja, Majeſtät, der General von York würdigte mich ſeines Ver⸗ trauens, ich kenne den ganzen Gang der Unterhandlungen und war auch bei dem Abſchluß der Convention gegenwärtig. Ich habe alle die großen innern Kämpfe des Generals beobachtet, ich bin Zeuge ge⸗ weſen, wie er gerungen mit ſeinem Gewiſſen als Soldat und als ge⸗ treuer Unterthan Ew. Majeſtät. Als Soldat war er ſich des Ver⸗ brechens bewußt, das er im Begriff war gegen die Disciplin zu begehen, als getreuer Unterthan fühlte er, daß er dies Verbrechen begehen müſſe, wenn er nicht ein Ew. Majeſtät allein gehöriges Armeecorps von zehntauſend Mann rettungslos dem Verderben über geben wollte.
Hatten die Unterhandlungen ſchon lange gedauert? Erzählen Sie! Ich will Alles wiſſen, aber merken Sie wohl auf, ich will die Wahrheit wiſſen! Keine Betheuerungen! Sprechen Sie jetzt!
Ja, Majeſtät, die Unterhandlungen hatten ſchon längere Zeit ge dauert, ſchon ſo lange, als die ſogenannte große Armee in einzelnen zerfetzten und zerſchlagenen Trümmern, in einzelnen troſtloſen Bettler⸗ banden aus Rußland daher kam und die glänzende machtvolle ruſſiſche Armee ſich immer mehr unſern Standorten und der preußiſchen Grenze näherte. Die ruſſiſchen Feldherren und Generäle, der Fürſt Witgen⸗ ſtein und der General von Diebitſch ſandten Boten auf Boten an York und ließen ihm das Gefährliche ſeiner Lage, und wie er von allen Seiten von den ruſſiſchen Truppen umzingelt ſei, melden. Er ſolle daher nachgeben, riethen ſie, wenn er nicht ohne Noth die Truppen Ew. Majeſtät dem ſichern Untergang und Verderben Preis geben wolle. Er ſolle zum Heil Preußens die rettende Hand ergreifen, die ſich ihm entgegenſtrecke, und Preußen zwingen, ſich loszuſagen von einem völlig zu Grunde gerichteten Alliirten, der, um ſich noch eine kurze Stunde der Exiſtenz zu friſten, es ſicher nicht verſchmähen würde, Preußens letzte Kräfte und letzte Hülfsquellen für ſich auszubeuten. Aber der General konnte ſich immer noch nicht entſchließen zu einem Schritt,
von dem er nicht wußte, ob er die Billigung Ew. Majeſtät haben Mühlbach, Napoleon. 1U. Vd. 18


