Eine Viertelſtunde ſpäter trat Blücher wieder in den Salon, in welchem ſeine Gemahlin in traulichem Geſpräch mit Scharnhorſt ſich befand. Er war jetzt nicht mehr der kranke, leidende Greis, als welcher er heute Morgen in dem Lehnſtuhl am Fenſter geſeſſen, er war wieder der Mann, der Soldat und der Held. Stolz war ſein Haupt ge⸗ hoben, kühn und muthvoll blitzten ſeine Augen, ein ſtolzes Lächeln umſpielte ſeine Lippen, ſeine breitſchultrige, kräftige Geſtalt war um⸗ hüllt von der Generals⸗Uniform, Ordensſterne erglänzten auf ſeiner breiten Bruſt, und lang und raſſelnd hing der Degen an ſeiner Linken nieder.
Mit kraftvollen, ſtolzen Schritten näherte ſich Blücher ſeiner Ge⸗ mahlin und dem General Scharnhorſt, und Beiden ſeine Hände dar⸗ reichend, ſagte er mit ernſter, feierlicher Stimme: Die Zeit des War⸗ tens, der Ungeduld und Thorheit iſt jetzt vorüber. Ich habe mir jetzt mit der Uniform einen neuen Menſchen angezogen. Ich bin nicht mehr der ungeduldige Greis, der flucht und wettert und die Fliegen an der Wand todt ſchlägt, weil er nichts Beſſeres hat, ſondern ich bin der Soldat, der ruhig und gelaſſen auf dem Wachtpoſten ſteht und auf die Stunde wartet, wo er ſeinen Feind wird todt ſchlagen können. Kommt, meine Freunde, kommt mit mir!
Er zog die Beiden vorwärts, und ſo haſtig ging er mit ihnen durch die Säle dahin, daß ſie ihm kaum zu folgen vermochten. Jetzt betraten ſie den großen Saal, der nur bei feſtlichen Gelegenheiten geöffnet ward. In dieſem großen Saal befand ſich nichts, als einige vergoldete Meubles, einige Tiſche mit Marmorplatten, an den Pfeilern zwiſchen den Fenſtern große venetianiſche Spiegel. Sonſt waren die Wände leer, nur drüben an der Wand über dem Divan hing in einem breiten, künſtlich geſchnitzten Goldrahmen ein Bild, das aber von einem großen ſchwarzen Kreppſchleier verhüllt war.
Gerade zu dieſem Bilde führte Blücher die Beiden hin, einen Moment blieb er ſtehen und ſchaute ſinnend und tiefernſt zu dem ver⸗ ſchleierten Bilde hinauf, dann hob er die rechte Hand empor und riß mit einem raſchen Ruck den Trauerſchleier nieder.
Die Königin Louiſe! rief Scharnhorſt, auf die edle und ſchöne


