Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 1. Band (1859)
Entstehung
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. Friedrich Wilhelm und Hardenberg.

Es war ein ſchöner warmer Maitag des Jahres 1812. Die Welt war unglücklich und ſeufzte unter dem Druck Napoleoniſcher Tyrannei, aber der Himmel war heiter, und ſandte ſeinen lachenden Frühling und ſeine duftenden Blumen als ſüßen Troſt auch dem ſo traurigen und hoffnungsloſen Jahre 1812. Ueberall grünte und blühte es, überall ſangen die Vögel, dufteten die Blumen, auch in Charlottenburg ſangen und blühten ſie, in dieſem Charlottenburg, das der König Friedrich Wilhelm ſonſt ſo gern ſeinLuſtſchloß genannt, und das ihm nun ſein Trauerſchloß geworden.

In Charlottenburg hatte Friedrich Wilhelm ſo viele ſchöne und glückliche Frühlingstage mit der Königin Louiſe verlebt, und als ſie noch an ſeiner Seite in dieſem glänzenden Sommerſchloß geweilt, da war Charlottenburg in Wahrheit ein Luſtſchloß geweſen!

Jetzt war ſie auch in Charlottenburg, die edle und ſchöne Königin Louiſe, aber der König fühlte nur ihre Nähe, er ſah ſie nicht mehr. Ihr heiterer Scherz, ihr liebliches Lachen waren ebenſo verklungen, wie ihre Klagen und ihre Schmerzensſeufzer; ihr ſtrahlendes Auge war für immer geſchloſſen, ihr lieblicher Mund für immer verſtummt, ſie weilte noch neben dem König in Charlottenburg, aber nur als Leiche.

Im Garten von Charlottenburg hatte der König für ſeine Louiſe ein Mauſoleum erbauen laſſen. Dort in dem einſamen Gewölbe ſtand der Sarg der Königin, aber neben ihm war noch Platz für einen zweiten Sarg, neben ſeiner Louiſe wollte der König einſt ruhen⸗