Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 4. Band (1859)
Entstehung
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Himmel, wie blau und glänzend er iſt, wie mild und weich die Luft, die mecklenburgiſche Luft, Königin.

Die Luft der Heimath weht mich an, aber der Todtenwurm häm⸗ mert weiter an meinem Sarg, und er wird mir die Pforten öffnen zu der wahren Heimath, zu der Heimath da droben! Aber ſtille, ſtille! Was ſoll der Tropfen Wermuth in dem Freudenbecher! Ich will ihn nicht trinken, ich will nicht achten auf das Hämmern in meinem Her⸗ zen! Jetzt wollen wir einmal ſehen, wer mächtiger iſt, der Todtenwurm oder ich. Ich will lachen und heiter und glücklich ſein! Wollen einmal ſehen, ob er mich hindern kann!

Und die Königin richtet ſich aus der Wagenecke wieder empor und zwingt ein Lächeln auf ihre Lippen.

Sei mir gegrüßt, du mecklenburgiſch Land mit deinen wogenden Kornfeldern, deinen duftigen Wieſen, deinen rauſchenden Seen, deinen frohen, rothwangigen Menſchenkindern und deinen Eichenwäldern! Sieh nur, ſieh, Caroline, kein Meer kann ſchönere Wellen ſchlagen, wie dieſes Kornfeld hier, und dieſe Wellen bringen nicht Tod und Verderben, ſie bringen dem Bauer den Lohn der Arbeit, ſie bringen dem Armen Brod und Nahrung. Oh ſeht, ſeht, das allerliebſte Bild! Da vor der Thür des einſamen Bauernhauſes dort drüben, mitten im Kornfeld, da ſitzt eine Bauerfrau auf der Bank, der Säugling liegt an ihrer Bruſt, drei weißhaarige Kinder ſpielen zu ihren Füßen. Sie ſieht uns nicht, ſieht nichts als ihre Kinder und ſingt ihnen ein Lied. Oh, haltet an, haltet an und ſeid ſtille, und laßt mich das Lied der mecklenburgiſchen Mutter hören. Still! Still!

Der Wagen hält, das Kornfeld rauſcht, der Wind gaukelt über die weite Flur und ſpielt mit dem weißen Schleier der Königin, die mit angehaltenem Athem, mit ſüßem Lächeln auf den Geſang lauſcht.

Da drüben vor der Hüttenthür, inmitten des wogenden Kornfeldes, ſitzt die Bäuerin und ſingt:

Oh ſchlop, mihn lewes lüttes Kind, Oh ſchlop un dröhm recht ſchön, Denn alle Engel bi di ſünd

Un Gott, de het di ſehn!