Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 4. Band (1859)
Entstehung
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unbemerkt das Zimmer der Königin, und die königlichen Gatten waren jetzt allein.

Der König nahm die beiden dargereichten Hände der Königin und drückte ſie zärtlich an ſeine Lippen. Ich komme vielleicht früher, als Du mich erwarteteſt, ſagte er, aber ich wollte meine geliebte Louiſe doch an dieſem feſtlichen Tage auch noch einen Moment für mich allein haben und ſie als meine geliebte Frau ſehen, ehe ſie wieder für den ganzen Feſttag Königin wird. Mir ſcheint, Louiſe, ich habe Dich heute noch gar nicht geſehen. Seit der Frühe des Morgens kommen die Gra⸗ tulanten und mit den Glückwünſchen und Geſchenken hat es kein Ende.

Das haſt Du davon, mein Freund, daß ich geboren bin, rief die Königin lachend. Das iſt Deine Strafe dafür, daß Du nicht dieſen Tag, wie ſonſt wohl, ganz allein und in der Stille mit mir und den Kindern in unſerm lieben Parez verleben wollteſt.

Das durft' ich heute nicht thun, ſagte der König ernſt. Mußte dem Volk und allen unſern Unterthanen heute die Gelegenheit gönnen, Dir ihre Liebe zu bezeigen und ſich zu entſchädigen für die verlorenen drei Jahre. Aber weißt Du, Louiſe, weshalb ich jetzt eben komme? Möchte Dir in aller Stille zwei liebe Geſchenke darbringen.

Noch mehr Geſchenke? rief die Königin faſt vorwurfsvoll. Deine Liebe hat mich heute ſo überreich beſchenkt, mir ſo koſtbare, ſchöne und ſinnige Gaben dargebracht, daß ich kaum weiß, was noch zu ſchenken übrig bleibt.

Ich weiß noch Etwas! Aber fürchte nichts, es ſind keine glän⸗ zenden Geſchenke! Nur zwei Stückchen Papier! Dein Schmuckkaſten wird dapurch nicht ſchwerer werden, aber Dein Herz leichter, hoff' ich! Da haſt Du mein erſtes Geſchenk, das erſte Stück Papier!

Er zog einen Brief aus ſeinem Buſen hervor und reichte ihn der Königin dar. Lies die Adreſſe, ſagte er.

Die Königin las:An Seine Excellenz, den Herrn Baron von Hardenberg. Derzeit auf demLandgut Grohnde. Wie? fragte die Königin aufblickend und den König mit freudigen Blicken anſchauend. Wie, mein Freund, Du, Du ſelbſt haſt gn Hardenberg geſchrieben? Der König nickte. Ich ſelbſt, ſagte er lächelnd.

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