Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 4. Band (1859)
Entstehung
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Er nahm der kleinen Erzherzogin Marianne die zierliche kleine Armbruſt fort und legte einen der Pfeile auf die geſpannte Sehne.

Nun ſchau auf, Du erbärmlicher Menſch, rief er dabei mit zor⸗ niger Stimme und blitzenden Augen, jetzt tödte ich Dich ohne Erbar⸗ men. Du Dieb, der Du uns Venedig und Mailand geſtohlen haſt, Du mußt ſterben!

Er drückte den Pfeil ab, aber dieſer prallte von der kleinen Figur ab und fiel zu ihren Füßen nieder.

Fehlgeſchoſſen! Fehlgeſchoſſen! ſchrie und lachte die kleine Schaar. Jetzt bin ich an der Reihe, rief dann die Erzherzogin Marianne, in⸗ dem ſie dem Bruder die Armbruſt wieder entriß.

Sie legte einen Pfeil auf, und ihre Augenbrauen finſter zuſammen⸗ ziehend, das lachende kleine Geſicht zu düſterem Ernſt zwingend, rief ſie: Nun zittere, Du böſer, abſcheulicher Menſch, denn ich werde Dich todt machen. Das iſt dafür, daß Du uns zwei Mal aus Wien fort⸗ gejagt haſt, daß wir uns ſo haben ängſtigen und uns vor Dir haben verkriechen müſſen, während Du in Herrlichkeit und Freuden in unſern Schlöſſern gewohnt haſt. Das iſt dafür, daß Du uns unſere Soldaten todt geſchoſſen und unſere Kanonen genommen haſt. Du biſt ein ganz erbärmlicher, ſchlechter Räuber und Dieb, und darum ſchieße ich Dich jetzt todt, damit Du keine Menſchen mehr morden und keine Kaiſer mehr verjagen kannſt, Du Räuber und Mörder!

Sie ſchoß ihren Pfeil ab; indeß blieb er ebenſo wirkungslos, wie der des kleinen Erzherzogs, und ein ſpottendes Gelächter der Geſchwiſter beſtrafte ſie für ihre Ungeſchicklichkeit.

Das iſt ja ein allerliebſtes Spiel, rief die Erzherzogin Marie Louiſe lachend. Komm, Leopoldine, laß uns Theil nehmen an dem Bonaparteſpiel, und auch verſuchen, ob wir ihn zu tödten vermögen.

Die Prinzeſſinnen ſetzten ſich lachend zwiſchen den kleinen Erz⸗ herzögen nieder und nahmen nun Jede eine der kleinen Armbrüſte.

Ich bitte Dich, laß mich zuerſt ſchießen, liebe Schweſter, rief Leo⸗ poldine eifrig. Sieh, da liegt ſchon mein Pfeil! Nun lege ich auf Dich an, Du böſer Bonaparte, nun will ich an Dir Rache nehmen für alles Leid, das Du uns gethan. Deine letzte Stunde iſt gekommen,

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