Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 3. Band (1859)
Entstehung
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am Abend ihre Häuſer erleuchten, und die Hauptſtadt des tief gedemü⸗ thigten, zerſchmetterten Preußens mußte ihre eigene Schmach und ihren Jammer mit dem Glanz einer feſtlichen Illumination verherrlichen.

Aber die franzöſiſchen Behörden, welche den Berlinern befohlen hatten, den Frieden mit Geſang und Illumination zu feiern, ſie konnten ſie doch nicht zwingen, dieſe Feſtlichkeiten anzuſchauen und ihnen durch ihre Gegenwart ihre Zuſtimmung zu geben.

In der Domkirche ſang der Organiſt mit ſeinen Chorknaben zu dem Accompagnement von Poſaunen und wirbelnden Trommeln das befohlene Tedeum, aber die Kirche war leer, Niemand außer den fran⸗ zöſiſchen Behörden und einigen elenden erkauften Abtrünnigen war ge⸗ kommen, dieſer Feierlichkeit beizuwohnen.

Am Abend dieſes Tages ſtrahlte ganz Berlin im Lichterglanz, welche die Straßen wie mit Tageshelle erleuchteten, aber dieſe Straßen waren leer. Kein jubelndes Volk wogte in ihnen auf und nieder, kein Freudengeſchrei, kein Jauchzen und Lachen ließ ſich vernehmen, nur hier und da ſah man einen Trupp franzöſiſcher Soldaten mit lauten Geſängen durch die Straßen ziehen, oder begegnete man einem Schwarm dieſes müßigen Geſindels, das ſich überall da umher treibt, wo es Nahrung für ſeine Neugierde findet, und das fern von aller Geſin⸗ nung, aller Ehre und allem Rechtsgefühl, in allen Städten und allen Ländern daſſelbe iſt.

Die Franzoſen und der Pöbel allein bevölkerten an dieſem Abend die hell erleuchteten, blendenden Straßen von Berlin; die eigentliche Bevölkerung hielt ſich in ihren Häuſern und verſchmähete es, auch nur mit einem flüchtigen Blick hinaus zu ſchauen auf den Glanz der Straße, und nirgends auch ſah man mehr Lichter angezündet, als der Befehl der franzöſiſchen Behörden verlangt hatte, nämlich zwei Lichter an jedem Fenſter. Nur an dem Fenſter eines Hauſes in der Behrenſtraße zeigte ſich ein höherer Lichtſchimmer, dort ſah man farbige Lampen in maleriſcher Gruppirung ſich ordnen um zwei Büſten, die in ſeltſamer Harmonie neben einander ſtanden und das Staunen und die Verwun⸗ derung aller derjenigen erregten, die an dieſem Hauſe vorüber kamen.

Es waren die Büſten Friedrichs des Großen und Napoleons.

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