Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 3. Band (1859)
Entstehung
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Herr von Stein ſchlug die Augen auf und ſchaute mit einem voll⸗ kommen ruhigen, verſtändnißvollen Blick erſt zu ſeiner Gemahlin, dann zu dem Arzt und dem Boten des Königs hin.

Herr von Schladen, ſagte er mit leiſer Simme, wollen Sie mir den Brief Hardenbergs vorleſen? Wilhelmine, mein geliebtes Weib, lege Deinen Arm um mich und ſtütze mein Haupt ein wenig, damit ich es aufrichten kann. Waldau hat Recht, ich werde heute noch nicht ab⸗ reiſen können, ich bin noch ſehr ſchwach.

Aber Sie werden in zehn Tagen abreiſen können, rief der Arzt. Sie ſehen, ich gebe nach! Ich fordere nicht mehr vierzehn, ſondern nur noch zehn Tage!

Herr von Stein reichte ihm mit einem dankbaren Blick die Hand dar. Und jetzt, Herr Kammerherr von Schladen, ſagte er ſanft, jetzt bitte ich Sie noch einmal, wollen Sie mir den Brief Hardenbergs vorleſen?

Herr von Schladen ließ ſeine Blicke fragend zu dem Arzt hinüber gleiten, dieſer nickte zuſtimmend.

Leſen Sie, bat Herr von Stein, ſein Haupt an die Schulter ſeiner Gemahlin lehnend.

Herr von Schladen nahm den Brief, der auf dem Nachttiſch lag und öffnete ihn. Den kleinen darin enthaltenen Brief vom General von Blücher legte er auf den Tiſch und begann dann den Brief des Miniſters von Hardenberg zu leſen.

Der Brief enthielt die dringendſte Aufforderung Hardenbergs an den Freiherrn von Stein, die doppelte Stelle als Finanzminiſter und Miniſter des Innern, welche der König ihm übertragen wolle, zum Wohl Preußens anzunehmen. Hardenberg forderte außerdem Stein auf, ſich ſofort zum König zu begeben, weil dies von der äußerſten Wichtigkeit ſei, damit nicht das Ohr Friedrich Wilhelms von fremden und nachtheiligen Einflüſterungen wieder belagert werde! Er gab ihm leiſe Andeutungen, in welcher Weiſe er ſich das Vertrauen des Königs erwerben müſſe, und wie er ſicher ſein könne, daſſelbe auch zu bewah⸗ ren, wenn er ſich nur niemals das Anſehen gebe, den König beherrſchen zu wollen. Er forderte ihn im Namen Preußens und Deutſchlands

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