Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 2. Band (1859)
Entstehung
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I.

Abe Königin Touiſe und Rapoleon.

Die Toilette war beendet. Zum erſten Mal ſeit vielen Monaten hatte die Königin ſich heute geſchmückt, zum erſten Mal nach langer

d ſie Zeit erſchien ſie wieder in königlicher Pracht und Herrlichkeit. Ein. und ſi weißes, golddurchwirktes Atlasgewand umgab dicht anſchließend ihre

folgen hohe, zugleich ſchöne und üppige Geſtalt und rauſchte in einer langen

boft Schleppe hinter ihr nieder. Ein breites Halsband von Perlen und

kön⸗ Brillanten zierte ihren wundervollen Hals, ebenſolche Bracelets ſchmück

ten ihre Arme, die einem Phidias als Modell hätten dienen können. re Ueber ihrer edlen, breiten und freien Stirn funkelte ein Diadem von ſt Brillanten. Es war eine wahrhaft königliche Toilette, und in früheren Tagen würde die Königin ſelbſt ſich derſelben gefreut haben. Aber heute war keine Spur der Freude in ihrem Antlitz zu leſen, ihre Wangen waren bleich, ihre Lippen zitterten und ihre Augen waren wie von trüben Schleiern umhüllt.

Mit einem langen, forſchenden Blick betrachtete ſie im Spiegel ihr eigenes Bild, mit traurigen, gleichgültigen Zügen, ohne einen Schim mer von Freude oder Genugthuung. Dann wandte ſie ſich an Frau von Berg, welche ſie hierher nach Puktupöhnen begleitet hatte, und die auch jetzt auf ihrer Fahrt nach Tilſit ihre Gefährtin ſein ſollte.

Caroline, ſagte ſie, wenn ich mich anſchaue, überläuft mich ein Fröſteln und mein Herz erſtarrt. Ich bin geſchmückt, wie die alten Germanen ihre Opfer ſchmückten, die ſie in die Feuergluthen werfen wollten, um den Zorn ihrer Götzen zu beſänftigen. Ach, es wird mir gehen, wie jenen armen Opfern. Ich werde ſterben an den Feuer⸗ flammen, die in meinem Herzen brennen, aber ich werde den zürnenden Götzen, den die Welt jetzt anbetet, doch nicht beſänftigen und verſöhnen können. Es wird Alles nutzlos und vergeblich ſein! Mit ſolchem Leidensgefühl und mit ſo gebrochenen Flügeln erreicht man nichts mehr und kann man nicht beredt ſein! Doch ſtill, die Klage und auch die