Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 2. Band (1859)
Entstehung
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den König nicht zwingen wollen, nach Napoleons Gutdünken ſeine Diener zu wählen oder zu verſtoßen.

Er darf es nicht, aber er kann es, ſagte der König düſter, und da Napoleon Alles, was er kann, auch thut, ſo zwingt er mich jetzt zu einer neuen Demüthigung. Ich muß meinem armen blutenden Lande den Frieden geben, ich kann den Krieg nicht fortſetzen. Wenn alſo Napoleon als erſte Bedingung des Friedens die Entlaſſung Harden⸗ bergs fordert, muß ich ſeine Forderung erfüllen.

Aber es iſt doch unmöglich, einem ſo treuen, hingebenden Diener des Staats plötzlich eine ſchimpfliche Entlaſſung anzukündigen, rief die Königin ſchmerzvoll.

Nein, ſagte Alexander ernſt, man wird das nicht nöthig haben. Miniſter Hardenberg wird ſeine Entlaſſung fordern. Ich habe ſo eben eine lange Conferenz mit ihm gehabt, und in Folge deſſen hat ſich der Miniſter hierher begeben, um von Ew. Majeſtät eine Audienz zu er⸗ bitten. Herr von Hardenberg iſt mit mir zugleich gekommen. Sire, wollen Sie ihm nicht jetzt gleich die gewünſchte Audienz gewähren? Darf ich Hardenberg rufen?

Wenn Ew. Majeſtät es wünſchen, werde ich den Miniſter hier in Ihrer und der Königin Gegenwart empfangen, ſagte Friedrich Wilhelm, und indem er der Thür zuſchritt und ſie öffnete, rief er hinaus: Herr von Hardenberg ſoll kommen!

Einige Minuten ſpäter trat Herr von Hardenberg in das Zimmer ein. Der heitere, lächelnde Ausdruck, welcher immer aus ſeinen männ⸗ lich ſchönen Zügen ſtrahlte, war auch jetzt nicht von ihnen gewichen; ruhig, ſicher und freundlich, wie immer, nahete er ſich den Majeſtäten und neigte ſich vor ihnen mit Ehrerbietung, aber doch mit dem Stolz eines ſeiner eigenen Würde ſich bewußten Mannes. Er wagte es daher auch, einen Fehler gegen die Etiquette zu begehen und unaufgefordert zuerſt das Wort zu ergreifen. Sire, ſagte er, ſich zuerſt an den Kaiſer Alexander wendend, Sire, ich danke Ew. Majeſtät, daß Sie die Gnade hatten, mir eine Audienz bei Seiner Majeſtät zu verſchaffen, und da ich hoffen darf, daß Ew. Majeſtät meinem Herrn und König die Ur⸗ ſache, weshalb ich um eine Audienz bat, mitgetheilt haben, ſo werde

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