Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 2. Band (1859)
Entstehung
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und unſern Miniſtern nicht gelingen wollte, das wird ohne Zweifel dem Zauber und der Gewalt der edelſten der Frauen gelingen! Da⸗ mit aber Ew. Majeſtät gleich genau inſtruirt ſind, um welche große Dinge es ſich handelt, wie ſehr Preußen gefährdet iſt, wie ſehr es der Hülfe ſeiner Königin bedarf, habe ich Ihnen das Ultimatum Napoleons mitgebracht, das er heute in meiner Gegenwart Talleyrand in die Feder dictirte und von dem ich mir eine Abſchrift erbat. Iſt es Ihnen ge⸗ nehm, Sire, daß ich Ihnen daſſelbe mittheile?

Man muß doch immerhin ſein Schickſal kennen und ihm dreiſt in's Auge ſchauen, ſagte der König langſam. Haben Ew. Majeſtät und Iht alſo die Gnade zu leſen. ſtet Und auch Sie geſtatten es mir, Königin? fragte Alexander.

d ihm Louiſe neigte ſanft ihr Haupt. Der König hat Recht, ſagte ſie,

nzu⸗ man muß ſein Schickſal kennen lernen. Setzen wir uns, wenn es Ew. Majeſtät gefällig iſt.

Sie nahm auf dem Divan Platz, der Kaiſer und ihr Gemahl

eſtät ſetzten ſich gegenüber auf die Lehnſtühle, die an der andern Seite des

Tiſches ſtanden.

Ich werde Ihnen alſo das Ultimatum Napoleons mittheilen, doch

beſchwöre ich Eure Majeſtäten, es gütigſt ohne Unterbrechung anhören

v zu wollen, ſagte Alexander, indem er ein Papier aus ſeinem Buſen

vi zog. In daſſelbe hineinblickend, fuhr er fort: Der Kaiſer Napoleon

alſo fordert, daß Preußen ihm vor allen Dingen den ganzen Landes⸗

rucht ſtrich, welcher ſich auf dem rechten Ufer des Niemen befindet, nämlich

eint die Stadt Memel und einen Theil ihres Gebietes, der ſich bis hierher

nach Tilſit erſtreckt, abtreten ſoll, denn er behauptet, daß dies für

Rußland die natürliche Grenze ſei. Er verlangt ferner, daß Alles,

was auf dem linken Ufer der Elbe liege, von Ew. Majeſtät an Ruß⸗

land überlaſſen werde, denn er betrachtet die Elbe als die natürliche

Grenze des preußiſchen Staats. Aber von dem, was Ew. Majeſtät

an dem rechten Ufer der Elbe verbleibt, verlangt der Kaiſer Napoleon

ganz ausdrücklich, daß das Land Hildesheim nicht darin einbegriffen

ſei, denn dies müſſe einen Theil des Königreichs Weſtphalen bilden,

über deſſen Errichtung man ſich verſtändigt habe. Aber zur Entſchä⸗

Mühlbach, Napoleon. II. Bd. 24