Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 2. Band (1859)
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Beiden Frieden mit Frankreich, und ſo iſt Preußen durch dieſen Friedens⸗Abſchluß mit Frankreich rettungslos verloren, denn es wird drei Feinde ſtatt des Einen und keinen einzigen Bundesgenoſſen haben. Nicht alſo blos die Ehre, ſondern auch die Klugheit gebieten es, dieſen Vertrag abzulehnen, und den Geboten dieſer Zwei nicht folgen, hieße Preußen in den Abgrund des Elends ſchleudern, in welchem es nicht die Theilnahme irgend eines Bundesgenoſſen, ſondern nur das Hohngelächter der ganzen Welt als ſeine Todtenklage hören würde. Gott und der König mögen alſo Preußen vor dem Unheil dieſes Friedens⸗Vertrages bewahren, und uns gnädigſt geſtatten, inmitten un⸗ ſers Unglücks und unſerer Sorgen wenigſtens einherſchreiten; zu können mit reinem Gewi iſſen und aufrechtem Haupte, wie es Männern geziemt,

die lieber ſterben, als ihrer Ehre und ihrer Freiheit entſagen wollen! Ew. Majeſtät mögen mir verzeihen, wenn ich mich zu frei und zu rückhaltlos ausgeſprochen habe. Aber Ew. Majeſtät hatten mir be⸗ fohlen, frei und wie vor Gott Ihnen meines Herzens inuerſte Mei⸗ nung zu ſagen. Das habe ich gethan, und ich bitte um Verzeihung, wenn meine Worte nicht immer gewählt und ſchonungsvoll geweſen ſind!

Ich habe Ihnen nichts zu verzeihen, ſondern ich habe Ihnen nur zu danken, ſagte die Königin, Ihnen ſowohl, wie Herrn von Harden⸗ berg. Sie haben mich Beide auf den Grund Ihrer Herzen ſchauen laſſen. Sie haben der Wahrheit Ihrer Ueberzeugung gemäß geſprochen, ich danke Ihnen!

Und indem Louiſe ihre leuchtenden Augen dem König zuwandte, fuhr ſie tiefbewegt fort: Ew. Majeſtät, wir haben Magdeburg ver⸗ loren! Aber ſind ſolche Männer, wie dieſe hier, nicht mehr werth, als eine Feſtung? Feſtungen können fallen, aber ſo lange wir ſolche Männer neben uns haben, iſt Preußen nicht verloren!

Der König, welcher noch immer, die Hand an die Stirn gelegt, das Antlitz beſchattet, dageſeſſen hatte, der König ließ langſam ſeine Hand von ſeinem Antlitz niedergleiten und ſchaute mit einem langen, forſchenden Blick zu der Königin hin.

Jetzt iſt es an Dir, Deine Meinung zu bekennen, ſagte er ruhig. Biſt wohl Deinen Rathgebern ſchuldig, auch zu ſagen, was Du denkſt. 14*