. Der Charlottenburger Pertrag.
Königin Louiſe ging in lebhafter Unruhe auf und ab. Zuweilen blieb ſie aimn Fenſter ſtehen und ſchaute ſpähend hinaus auf die Straße, als erwarte ſie, von dorther Jemand kommen zu ſehen. Aber dieſe Straße, die Hauptſtraße der Stadt Oſterode, welche das Königspaar ſeit einigen Tagen bewohnte, blieb öde und ſtill. Der Schnee fiel in großen Flocken von dem grauen glanzloſen Himmel nieder, der ſchnei⸗ dende Novemberſturm fegte die weißen Flocken hier und dort auf der Straße zu glitzernden Schneehügeln zuſammen und jagte ſie dann wieder in wirbelnden weißen Staubwolken auseinander.
Die Königin ſah nichts als dies traurige öde Bild da unten auf der Straße, ſie wandte ſich alſo ſeufzend wieder ihrem öden ſtillen Gemach zu, um wieder raſch und lebhaft auf und ab zu gehen.
Aber immer wieder trieb es ſie zu dem Fenſter hin, immer wieder ſchaute ſie hinunter auf die öde Straße und horchte mit angehaltenem Athem auf jedes Geräuſch.
Wenn er nicht kommt, flüſterte ſie leiſe und angſtvoll, oder wenn er zu ſpät kommt, iſt Alles verloren, und die Feiglinge und Schwätzer werden es wieder verſtehen, meinen Gemahl zu bereden, ihren Frie⸗ densgelüſten nachzugeben. Oh mein Gott, mein Gott, habe Erbarmen mit uns Allen, Erbarmen mit unſerm unglücklichen Land und mit uns ſelber!
Auf einmal zuckte die Königin zuſammen und lehnte ſich dicht an's Fenſter, um beſſer ſehen zu können. Ja, ſie hatte ſich nicht getäuſcht!


