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Der Prinz neigte leiſe ſein Haupt. Es iſt wahr, ſagte er, das Glück des Krieges iſt ſehr dem Wechſel unterworfen. Dies tröſtet die⸗ jenigen, welche in der Gegenwart unterlegen ſind, mit der Zukunft.
Der Kaiſer warf einen zornigen Blick hinüber nach dem Prinzen, welcher dieſen Blick mit keckem, furchtloſem Ausdruck erwiederte; ihre flammenden Augen kreuzten ſich wie zwei Degenſpitzen im Duell.
Ich ſehe, Sie ſind nicht blos der Geburt, ſondern auch der Ge⸗ ſinnung nach ein Bruder des Prinzen Louis Ferdinand, ſagte Napoleon zürnend. Gleich ihm haben Sie zu den unruhigen Köpfen gehört, welche den Krieg um jeden Preis wollten. Es hat harter Schickſals⸗ ſchläge bedurft, um Ihr Kriegsfieber ein wenig abzukühlen. Jetzt wer⸗ den Sie hoffentlich davon geneſen ſein. Ihr Bruder hat ſeinen tollen Uebermuth auf dem Schlachtfeld von Saalfeld gebüßt. Sie haben es dahin gebracht, daß Sie in dem elendeſten Aufzuge als Kriegsgefan⸗ gener in die Hauptſtadt Preußens zurückgekehrt ſind, welche Sie vor wenigen Wochen mit ſo tollen Siegeshoffnungen verlaſſen hatten. Sie hätten zur rechten Zeit der Simme der Vernunft Gehör geben und nicht achten ſollen auf die Syrenenſtimme der Königin, welche zu Preußens Unglück alle junge Männer in die Charybdis des Krieges hineingelockt hat, und—
Sire, unterbrach ihn der Prinz mit faſt drohender Stimme, Sire, nichts gegen die Königin, wenn ich bitten darf! Es ſteht Ihnen, dem Sieger, frei, die Ueberwundenen zu demüthigen und zu ſchelten, wenn Ew. Majeſtät Gefallen finden an dieſem Triumph, aber die edle und unglückliche Königin darf nicht hineingezogen werden in den Streit der Männer; wir begehren nicht die Entſchuldigung, daß ſie uns aufgereizt habe, und ihre hohe und leuchtende Tugend verdient nicht die Beſchul⸗ digung, daß ſie es gethan habe!*
Ach, rief Napoleon mit einem höhniſchen Lächeln, Sie ſcheinen, gleich allen jungen Männern, zu den enthuſiaſtiſchen Anbetern der Königin zu gehören.
Sire, das beweiſt, daß die jungen preußiſchen Männer noch Ge⸗ fühl haben für die Tugend, die Keuſchheit und die Sitte. Es iſt wahr, wir Alle beten die Königin wie unſere Heilige an; ſie iſt das leuch⸗
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