Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 1. Band (1859)
Entstehung
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Hier iſt der Brief, ſagte er. Kennen Sie die Handſchrift Ihres Gemahls?

Der Fürſtin irre, von Thränen umdüſterte Blicke hefteten ſich auf das Papier, das ſie in ihren zitternden Händen hielt. Dann ſtieß ſie einen Schrei aus, einen ſo durchdringenden, herzzerreißenden Schrei, daß Duroc, der an der Thür ſtand, die Thränen in ſeine Augen treten fühlte, und daß der Kaiſer ſelber leiſe zuſammenſchrak.

Es iſt ſeine Handſchrift! murmelte die Fürſtin, indem ſie das Papier zur Erde fallen ließ. Ihre bebenden Lippen hatten jetzt nicht mehr die Kraft und den Muth, die Bitte um Gnade zu wiederholen, ſie neigte das Haupt auf ihre Bruſt, und nur ein leiſes Aechzen und Wimmern kam aus ihrer Bruſt hervor.

Der Kaiſer ſchien gerührt von dem Anblick dieſes ſtummen und doch ſo beredten Schmerzes. Seine Mienen, welche vorher düſter und ſtrenge geweſen, wurden jetzt milde und weich, ſeine Augen ruhten mit einem ſanften Ausdruck auf der knieenden, zerbrochenen Geſtalt. Er beugte ſich nieder und hob den Brief von der Erde auf und legte ihn in die Hände der Fürſtin, die ſie matt in ihrem Schooß gefaltet hatte.

Madame, ſagte er, hier iſt der Brief. Machen Sie mit ihm, was Ihnen beliebt. Wenn dieſes Actenſtück nicht mehr vorhanden iſt, kann das Kriegsgericht ihn nicht verurtheilen. Denn dieſer Brief iſt das Einzige, was ihn anklagt!

Die Fürſtin ſchaute mit einem fragenden, ſtaunenden Blicke zu ihm empor.

Der Kaiſer lächelte und deutete ſtumm mit

—

der Hand auf das Kaminfeuer hin.

Jetzt ſprang die Fürſtin von ihren Knieen empor, jetzt ſtürzte ſie zu dem Kamin hin und warf das Papier in das Feuer. Die Flammen zuckten empor und faßten es und zogen es hinein in ſeine Gluthen.

Es breng! Es brennt! jauchzte die Fürſtin. Mein Mann iſt gerettet! Mein Mann iſt frei!

Mit einem ſchrillen, lauten Schrei taumelte ſie rückwärts und ſank ohnmächtig zu den Füßen des Kaiſers nieder.

Duroc ſtürzte zu ihr hin, und ſie emporhebend in ſeine Arme,