Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 1. Band (1859)
Entstehung
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Ohne dem Bürgermeiſter Zeit zu einer Antwort oder einer Recht⸗ fertigung zu laſſen, ging Napoleon weiter, und als der Graf Neale ihm jetzt die Juſtiz⸗Collegien vorſtellte, verſchwand ſofort die Wolke von ſeiner Stirn und ſeine Mienen nahmen jenen ſanften, milden Aus⸗ druck an, welcher ſtets einen ſo unwiderſtehlichen Einfluß übte auf Alle, die von dem Sonnenglanz dieſer kaiſerlichen Milde beſtrahlt wurden.

Der Kaiſer ſprach mit dieſen Herren von der Art und Weiſe der preußiſchen Rechtspflege und hörte ihre Antworten und Auseinander⸗ ſetzungen mit freundlicher Aufmerkſamkeit an.

In Ihrer Rechtspflege ſcheint viel Gutes zu ſein, ſagte der Kaiſer ſinnend. Sie hat eine treffliche Grundlage der Gleichheit und läßt ſich nicht willkürlich beugen und deuteln. Mich wundert, daß Sie mit die⸗ ſem Geſetzbuch Friedrichs des Zweiten in der Hand nicht alle die Aufrührer und Revolutionärs, welche hier in Berlin zuletzt ihr Weſen trieben und Preußen jetzt ſo unglücklich gemacht haben, unſchädlich machen und für immer zum Schweigen bringen konnten. Aber ſtatt dieſe Bewegungen rechtzeitig zu unterdrücken, haben Sie zugeſehen, wie elende Scribenten und von den Frauen fanatiſirte Journaliſten immer neues Oel in's Feuer goſſen. Man hat mir da erzählt von einem elenden Journal, das hier in Berlin mit dem Fanatismus des Wahn⸗ ſinns gegen Frankreich gewüthet und in die Kriegstrompete geblaſen hat. Sie hätten dieſen Berſerker zum Schweigen bringen ſollen. Warum thaten Sie es nicht?

Sire, die Geſetze unſeres Landes geſtatten uns nicht, das freie Wort zu unterdrücken und die Discuſſion der öffentlichen Verhältniſſe zu verbieten. So lange in den Journalen, Zeitungen und ſonſtigen

*) Napoleons eigene Worte. Siehe: Mémoires d'un homme d'état, IX.