Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 1. Band (1859)
Entstehung
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Gerade dem Lehnſtuhl gegenüber ſtand Napoleon mit ineinander geſchlagenen Armen, die Lippen feſt auf einander gepreßt, die düſtern, flammenden Blicke auf den Lehnſtuhl geheftet. Hinter ihm ſtanden die Marſchälle, deren gleichgültige Geſichter und neugierige Blicke ſeltſam contraſtirten zu dem ehernen, bleichen Antlitz des Kaiſers.

Unfern von ihnen, näher der Thür, ſtand der greiſe Caſtellan, der alte Diener Friedrichs des Großen, mit gefaltenen Händen, das Haupt traurig auf ſeine Bruſt geſenkt.

Tiefes Schweigen herrſchte einen Moment. das Zimmer wie mit hellerem Licht; die Sonne, Wolken verhüllt geweſen, war jetzt wieder hervorgetreten, und ſchien leuchtend in das Gemach hinein; ihr goldener Strahl traf gerade den Lehnſtuhl Friedrichs des Großen, und umgab denſelben wie mit einer

Plötzlich erfüllte ſich welche vorher von

Glorie.

Das alſo iſt das Sterbelager des großen Königs, ſagte Napoleon ſinnend. Die Götter hatten es ihm nicht vergönnt, als ſiegreicher Held auf dem Schlachtfeld zu fallen. Die Krankheit und das Alter hat den Helden des ſiebenjährigen Krieges beſiegt und nicht unter den Siegesfanfaren ſeiner Krieger, ſondern einſam auf dem Krankenſtuhl iſt er geſtorben! Das Schickſal möge uns gnädig vor einem ſolchen Tode behüten!— Und indem er ſich raſch zu dem Caſtellan hinwandte, fragte er: waren Sie zugegen als der König ſtarb?

Ja, Sire, ich war dabei, denn ich war ſein Kammerdiener.

Welches waren die letzten Worte, welche der ſterbende König ſprach?

Sire, er ſprach öfter, aber ſo leiſe und raſch, daß wir ihn nicht Die letzten Worte, die wir verſtehen konnten, waren dieſe:

Ich bin

verſtanden. „Gebt mir meine Soldaten des ſiebenjährigen Krieges wieder! es müde, über Sclaven zu herrſchen!“

Ha, ſeltſam, murmelte Napoleon, er w zu herrſchen! Als ob es ſich über freie Männer herrſchen ließe! Ach, ich möchte dieſen König wohl gekannt haben, dieſen König, der ein ſo abſoluter Herrſcher war, und doch die Selaven verachtete, der das Schwert ſo ſicher führte als die Feder, dem der Donner der Kanonen eben ſo melodiſch klang, wie die ſüßen Töne ſeiner Flöte, der mit

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