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verlaſſen und einſam zu ſterben, unbeklagt von ſeinen Freunden, ohne eine Thräne des Mitleids aus den ſchönen Augen meiner Königin! Oh, Luiſe, Luiſe, Deine Augen werden viel weinen um Deine Krone, um Dein Land und Dein Volk, aber ſie werden nicht Eine Thräne haben für den armen Lieutenant Deiner Dragoner, der hier einſam ſtirbt, und Dich ſegnet, indem er ſtirbt! Lebe wohl, Königin, Gott gebe Dir Kraft, und—
Seine Lippen verſtummten, eine tödtliche Bläſſe überzog ſein Antlitz, es ſchwindelte vor ſeinen Blicken, in wirbelnden Kreiſen drehte ſich Alles vor ſeinen Augen umher, wie Sturmwind heulte und brauſte es vor ſeinen Ohren.
Der Tod! Der Tod! murmelte er leiſe, und mit einem ſank er bewußtlos zuſammen.
Wieder ward nun Alles ſtill in der Hütte; kein menſchlicher Laut unterbrach das Schweigen des Todes, welches jetzt in dem verödeten kleinen Gemach herrſchte. Nur das Summen einiger Fliegen, die mit ihren Köpfen gegen die trüben Fenſterſcheiben ſtießen, unterbrach dieſes Schweigen; einmal auch raſchelte es in der Ecke und eine Maus ſchlüpfte über den Boden dahin; ihre klugen glänzenden Augen ſchauten neu⸗ gierig umher, und der Anblick dieſer blutigen, bewegungsloſen Geſtalt, die am Boden lag, ſchien ſie zu erſchrecken, denn ſie wandte ſich um, und raſcher noch, als ſie gekommen, ſchlüpfte ſie wieder fort und ver⸗ ſchwand in der Ecke.
Die Sonne ſtieg höher empor und ſchien auf die trüben Fenſter der Hütte; ſie zeichnete die gelben Umriſſe derſelben auf den Fußboden hin, und machte die goldenen Schnüre erglänzen, welche die Uniform des Officiers ſchmückten, der noch immer bewegungslos dalag.
Auf einmal ward die Stille durch das Herannahen eiliger Schritte unterbrochen, auf einmal hörte man draußen eine laute Stimme, welche rief: Niemand in der Hütte?
Dann ward Alles ſtill; offenbar harrte der Frager auf eine Ant⸗ wort; dann nach einer Pauſe näherten ſich die Schritte noch mehr, jetzt waren ſie ſchon außen auf dem Gange, jetzt erſchien auf der


