Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 4. Band (1859)
Entstehung
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wirſt da Ueberfluß und Pracht ſehen, wie Du es nimmer gekannt haſt in den Tagen Deiner Kindheit. Sieh ihre vergoldeten Meubles, ihre Teppiche und Luſtres, ſieh die ſchönen Gemälde an den Wänden, und in den Schränken das reiche maſſive Silbergeſchirr. Sieh ihre Kleider von Sammet und Seide, geſchmückt mit Gold- und Silber⸗ ſtickerei, ſieh ihre Brillanten und Juwelen und ihr Goldgeſchmeide. Weißt Du noch, Mariane Meier, wie oft Du in den Tagen Deiner kindiſchen Jugend Dich mit heißen Thränen nach allen dieſen Dingen geſehnt haſt? Weißt Du noch, wie oft Du mit gerungenen Händen gejammert haſt: oh wär ich doch reich! Denn wer reich iſt, der iſt glücklich! Die Prinzeſſin Eybenberg iſt reich, Mariane Meier, warum iſt ſie denn alſo nicht glücklich? Wenn man Dir damals, als Du nur weinteſt nach Reichthum, Mariane Meier, wenn man Dir damals prophezeiht hätte, Du würdeſt dereinſt einen Fürſtentitel tragen, und Dein geſchmähtes Judenhaupt ſtolz erheben in der höchſten Geſellſchaft, würdeſt Du nicht gedacht haben, dies ſei der Gipfel des Glücks und nichts bliebe dann mehr zu wünſchen? Ach, Mariane Meier, ich ſtehe auf dieſem Gipfel, und doch ſcheint es mir, daß ich viel weiter entfernt bin vom Glück, wie Du es damals warſt! Du hatteſt damals etwas, wonach Du ringen und ſtreben konnteſt, Du hatteſt ein großes Ziel! Was aber habe ich? Ich ſtehe bei meinem Ziel, und es giebt nichts mehr für mich zu erlangen und zu erkämpfen! Das iſt das Geheimniß meines Trübſinns: es bleibt für mich nichts mehr zu erkämpfen! Ich ſtehe auf meiner Höhe, und jeder Schritt, den ich thue, iſt ein Schritt bergab, dem Grabe zu, und wenn das Grab ſich über mir ſchließt, wird nichts mehr von mir zurückbleiben, und mein Name wird ruhmlos verhallen, während der Name des ver⸗ haßten lſurpators wie eine goldene Harfe durch alle Welt klingen wird! Oh, ein wenig Ruhm, ein wenig irdiſche Unſterblichkeit, das iſt es, Mariane Meier, was das ehrgeizige Herz der Prinzeſſin Eyben⸗ berg ſich erſehnt, das iſt es, wofür ſie Jahre ihres Lebens mit Freu⸗ den hingeben würde. Das Leben iſt ſo grenzenlos langweilig und inhaltslos, es iſt nichts als eine glänzende Phraſe, nichts als ein lächelndes, aufgeputztes Einerlei mehr! Aber horch, was iſt das?