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in der Hand hielt. Plötzlich indeß ſchien er ſich zu einem feſten Ent⸗ ſchluß aufzuraffen, und Savary das Schreiben darreichend, ſagte er: Gehen Sie damit nach Olmütz; geben Sie dies Schreiben an den Kaiſer von Rußland und ſagen Sie ihm, daß, da ich erfahren, daß er bei ſeiner Armee angelangt ſei, ich Sie abgeſchickt habe, um ihn in meinem Namen zu begrüßen. Wenn er mit Ihnen ſpricht, und Sie fragt, ſo wiſſen Sie, was man unter ſolchen Umſtänden antworten muß. Gehen Sie!*)
Nun, und jetzt, ſagte der Kaiſer, als Savary ihn verlaſſen hatte, jetzt wollen wir ein wenig ſchlafen. Conſtant!
Die Thür öffnete ſich ſofort, und der Kammerdiener trat ein.
Ah, ich fürchte, Du haſt eine ſchlechte Nacht gehabt, ſagte der Kaiſer gütig.
Sire, Ew. Majeſtät haben wieder die ganze Nacht durchwacht, und—
Und folglich, unterbrach ihn Napoleon, folglich haſt Du auch ge⸗ wacht. Nun, tröſte Dich nur, wir werden bald ruhigere Nächte haben, tröſte Dich und verklage mich nicht etwa bei der Kaiſerin Joſephine, wenn wir heim kommen. Die gute Joſephine haßt nichts ſo ſehr als die durchwachten Nächte.
Sire, die Kaiſerin hat wohl Recht, ſie zu haſſen, ſagte Conſtant ehrfurchtsvoll. Ew. Majeſtät, welche ſich den ganzen Tag nicht ſchonen, bedürfen wenigſtens Nachts der Ruhe! Ew. Majeſtät ſchlafen zu wenig.
Dadurch habe ich wenigſtens den Vortheil vor den Langſchläfern, daß ich mein Leben nicht blos nach Tagen, ſondern auch nach Nächten zählen kann, rief Napoleon heiter. Ich werde achtzig Jahre gelebt haben im Zeitraum von vierzig Jahren. Aber ſei nur ruhig, Conſtant, ich will Dir jetzt den Willen thun, ich will ſchlafen!
Conſtant eilte, die nach dem Schlafzimmer führende Thür zu öffnen. Nicht doch, rief der Kaiſer, wenn ich ſchlafen will, ſo iſt da⸗ mit nicht geſagt, daß ich zu Bett gehen will. Die Betten ſind eigent⸗ lich nur für die alten Weiber und die gichtbrüchigen Greiſe. Als ich noch Unterlieutenant war, habe ich einmal den Verſuch gemacht, ein
*) Napoleons eigene Worte. Siehe: Mémoires du Duc de Rovigo. II. 171.


