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Befreiungstriege. I. und Häuſſer's Deutſche Geſchichte. II. 680.
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brauchten, um mich zu zerſchmettern, ich werde ihnen beweiſen, wer ich bin, und wem die Zukunft gehört, ihnen oder mir! Uebrigens iſt es unnöthig, ſo viel über Dinge zu reden, welche nicht exiſtiren.
Sire, der Vertrag von Potsdam exiſtirt, ſagte Graf Stadion. Der Geſandte, welchen der König von Preußen abgeſchickt, um Ew. Majeſtät dieſe Nachrichten zu überbringen, müßte ſchon bei Ew. Majeſtät ſein, wenn er ſo raſch gereiſt wäre, wie der Kaiſer Alexander, der mit ihm zu gleicher Zeit Potsdam verlaſſen hat.
Nun, er möge ankommen, dann werde ich ſehen, ob Sie mir kein Mährchen erzählt haben, rief Napoleon. Wenn der König von Preußen dies gewagt hat, bei Gott, ſo ſoll er mir's vergelten.*) Das ändert aber nichts an meinen Beſchlüſſen und Plänen. Ich werde mich nur dann in Unterhandlungen mit Oeſterreich einlaſſen, wenn auch Rußland dieſen Unterhandlungen beitritt. Sagen Sie das Denen, welche Sie geſandt haben, und damit leben Sie wohl!
Er nickte leicht mit dem Kopf und den beiden Herren den Rücken zuwendend, trat er an's Fenſter. Erſt als er an dem leiſen Knarren der Thür hörte, daß ſie ſich zurückgezogen, wandte der Kaiſer ſich um und begann wieder, die Hände auf dem Rücken gefaltet, langſam auf und ab zu gehen.
Dann blieb er vor dem großen Tiſch in der Mitte des Zimmers ſtehen, und rollte eine der auf demſelben befindlichen Landkarten aus⸗ einander. Es war eine Karte von Süddeutſchland, und nachdem der Kaiſer ſie auf dem Tiſch ausgebreitet hatte, begann er dieſelbe mit Nadeln zu bezeichnen, deren verſchiedenfarbige Köpfe die verſchiedenen Armeen der Ruſſen, Oeſterreicher und Franzoſen bezeichneten.
Die ganze Nacht war der Kaiſer unabläſſig mit dieſer Arbeit, mit dem Studium der Karte, mit ſeinen Meſſungen und Berechnungen be⸗ ſchäftigt; die hohen Wachskerzen auf den ſilbernen Leuchtern brannten nieder, er bemerkte es nicht, das Feuer im Kamin war erloſchen, er empfand es nicht; von Zeit zu Zeit ward die Thür ſeines Cabinets
*) Napoleons eigene Worte. Siehe: Hormayr's Lebensbilder aus dem


