es Kaiſers
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Oeſter
ſch Oeſter
Friedrichs
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zu dem edelſten Ziel vereinigt hat. Nie
der heiligen Sache, die uns Das ſchwöre ich!
ſoll meine Treue wanken, nie meine Liebe erkalten! Er küßte den Sarg und erhob ſich von ſeinen Knieen, dann rich⸗
teten ſich ſeine in Thränen glänzenden Blicke auf den König hin. Jetzt
Ihnen, mein Bruder, den Schwur zu leiſten! ſagte er.
iſt es an Der König zögerte und blickte vor ſich hin. Die Königin legte ſanft ihre Hand auf ſeine Schulter und neigte
ihr ſchönes Antlitz ſo nahe zu ihm hin, daß er ihren Athem wie einen Geiſterkuß auf ſeiner Wange fühlte.
Schwöre, mein Freund, mein Geliebter, flüſterte ſie, ſchwöre, treu zu ſein dem heiligen Bunde wider den franzöſiſchen Tyrannen, ſchwöre unſerm edlen Bundesgenoſſen ewige Treue und Liebe.
Der König ſchwankte nicht mehr, er hob ſein Haupt entſchloſſen empor und trat näher zu dem Sarg hin. Die Hand auf den Mar⸗ morſarkophag legend, wiederholte er mit ernſter ruhiger Stimme die Worte, welche die Königin zuvor geſprochen und die ſie jetzt mit leiſe zitternden Lippen flüſterte.
Dann reichten alle Drei ſich über dem Sarge die Hand; ſo ſtanden ſie lange da, tiefbewegt, ſchweigend.
Auf einmal ward dieſes Schweigen durch den lauten dröhnenden Schlag der Thurmuhr unterbrochen, welche die erſte Stunde des neuen Tages verkündete. Der Ton verhallte, und jetzt begann das Glocken⸗ ſpiel des Thurms lieblich und hell das alte deutſche Lied:„Ueb' immer Treu und Redlichkeit, bis an Dein kühles Grab!“
Der König neigte ſein Haupt wie zu ſtillem Gebet; über die edlen Züge des Kaiſers flog ein leiſes, ſeltſames Lächeln. Die Königin aber, ganz Gluth und Begeiſterung, rief: Gott und der Geiſt des
großen Friedrich geben uns den Wahlſpruch unſers Bundes: Ueb' immer Treu und Redlichkeit, bis an Dein kühles Grab. Gedenken wir deſſen, ſo lange wir leben!
Gedenken wir deſſen! wiederholten die beiden Fürſten mit feſtem männlichem Händedruck. Dann ſchauten ſich alle Drei auf einmal an und mit ihren Blicken ſagten ſie ſich ein letztes Lebewohl.


