Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 3. Band (1859)
Entstehung
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Die Königin ſtieß einen Schrei der Ueberraſchung aus, und ihre Wangen erbleichten. Weiß es der König bereits? fragte ſie. Er weiß es ſchon ſeit geſtern, ſagte Hardenberg ernſt. Wir bewahrten das Geheimniß, weil wir dieſe Nachricht erſt mit der Ent⸗ ſcheidung des Königs in das Publikum bringen wollten. Und dieſe Entſcheidung, iſt ſie ſchon erfolgt? fragte die Königin. Majeſtät, ſagte Hardenberg feierlich, ſie iſt erfolgt! Als Rußland drohte unſer Gebiet zu verletzen, machten wir unſer Heer mobil, und es ſteht noch gerüſtet und in Waffen! Jetzt, da Frankreich wagt und thut, womit Rußland nur drohte, jetzt wenden wir uns nicht mit unſern Waffen gegen ihn, die Beleidigung zu rächen, ſondern wir nehmen die Feder und ſchreiben, und fordern eine Erklärung dieſes auffallenden Vorgehens von Frankreich. Wir drohen wohl, aber wir ſchlagen nicht.*) Nein, wir ſchlagen nicht, rief der Prinz mit einem bittern Lachen, wir machen mobil gegen unſere natürlichen Freunde und Bundesgenoſſen, aber wir erheben das Schwert nicht gegen unſere natürlichen Feinde und Widerſacher. Das Heer Friedrichs des Großen ſteht kampfgerüſtet da, und bleibt doch müßig und ſieht unthätig zu, wie der beuteluſtige Eroberer immer weiter vordringt in Deutſchland, wie er überall Verrath, Zwietracht und Unheil ſäet, wie er Die deutſchen Fürſten zum Abfall von Deutſchland beredet, ſei's mit Gewalt oder mit Liſt, wie er die Gemüther vergiftet und verderbt, und die Charactere ſo vernichtet, daß bald die Begriffe von Treue, Redlichkeit und Standhaftigkeit aus Deutſchland verſchwunden, und die Deutſchen nichts ſein werden, als eine Horde von Sclaven, die ſelig ſind, wenn ihr Tyrann ſie nicht allzuoft die Peitſche fühlen läßt, und ihm die Füße küſſen, damit er wenigſtens milde und ſanft über ihren Nacken dahin ſchreite! Wenn es jetzt dem Tyrannen gelingt, Oeſterreich zu demüthigen, das allein in Deutſchland den Muth gehabt, ihm entgegen zu treten, wenn Napoleon das öſterreichiſche Herr ſchlägt, dann iſt es vorbei mit Deutſch⸗

*) Dieſe Depeſche, in welcher Preußen Genugthuung von Frankreich fordert, iſt abgedruckt in den Mémoires d'un homme d'état. Vol. VIII, 475.