Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 3. Band (1859)
Entstehung
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6.E

quem, denn ſie empfangen nicht dankbar ihren Lohn, als eine Gnade, ſondern ſie nehmen und fordern ihn trotzig, als ihr Recht. Der Kaiſer⸗ thron muß umgeben ſein von Helden, aber dieſe Helden müſſen niemals den Kaiſerthron überragen wollen. Verzeihen Sie dieſe Anmerkung zu Ihrem Capitel, und ſprechen Sie weiter.

Man ſchiebt die Helden des Schwertes bei Seite, fuhr Johannes Müller fort, aber man ſchont auch nicht den Helden des Gedankens, welcher die Literatur heißt! Man will die Literatur beſchimpfen und ſchänden, da man ſie nicht ganz und gar morden kann, man ſchleppt ſie umher in den Höhlen unwürdiger Cenſoren, und verſtümmelt ſie um ihre ſchönſten Glieder und den prangendſten Schmuck ihrer Ge⸗ danken. Man fürchtet ſich vor dem Geiſte und darum möchte man ihn abtödten. Es kann aber eine Regierung wohl manchmal Fehler begehen, nur muß ſie niemals zeigen, daß ſie ſich fürchtet, denn die Furcht macht zugleich lächerlich. Undglächerlich wär's, wenn's nicht zum Weinen wäre, was die Furcht der Regierung für Verfolgungen gegen die Literatur erſonnen hat. Von den herrlichſten Werken des Geiſtes, von Gibbon, Robertſon, Hume und andern großen Geſchicht⸗ ſchreibern ſind ganze Bände verboten, und nicht Einer unſerer deutſchen Dichter, weder Göthe, noch Schiller, noch Herder, Wieland, Leſſing und Jean Paul, die nicht verpönt, geächtet wären im deutſchen Oeſterreich. Ueberall wittert die Furcht und das ſchlechte Gewiſſen Anſpielungen, Beziehungen und Hindeutungen. Die Geſchichte iſt daher von der Bühne verbannt, denn die Geſchichte der Vergangenheit zeigt immer mit drohendem Finger auf die wunden Stellen der Gegenwart hin! Shakſpeare's König Lear iſt verboten, damit das Publikum nicht glauben lerne, es verlören die Fürſten im Unglück den Kopf; Hamlet, Richard der Dritte und Macbeth dürfen nicht gegeben werden, damit die Menſchen ſich nicht etwa an die Abſetzung und Ermordung von Kaiſern und Königen gewöhnen möchten. Schillers Maria Stuart gilt für eine Anſpielung auf Maria Antvinette, Wallenſtein und Tell ſind verboten, weil ſie Revolutionen und militairiſche Meutereien provociren. Der Kaufmann von Venedig darf nicht dargeſtellt werden, weil er zu einem Indentumult Veranlaſſung geben könnte, und in Kabale und

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