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Räuber und weinte über Werthers Leiden, es entzückte ſich an Wie⸗ lands Poeſien, lernte Herder's klaren Geiſt lieben, und Jean Paul's Schriften forderten es zum Lernen und zum Nachdenken auf. Es war eine ſchöne Zeit, Excellenz, denn es war ein junges Volk in Oeſter⸗ reich auferſtanden, und das nährte ſich an den Brüſten einer jungen Literatur!
Und ſog an dieſen Brüſten den revolutionairen Geiſt und den Hochmuth des Selbſtdenkens ein, unterbrach ihn Thugut rauh.
Johannes Müller ſchien ihn nicht gehört zu haben und fuhr fort: Joſeph der Zweite ſtarb; kaum ein Jahrzehnt iſt ſeitdem vergangen, und was hat dieſes Jahrzehnt aus Oeſterreich gemacht? Der Geiſt iſt wieder eingezwängt in die alten Feſſeln, der Cenſor mit ſeiner Scheere hat ſich wieder aufgeſtellt neben dem Grenzpfahl Oeſterreichs, die Mauer iſt wieder aufgerichtet, welche Oeſterreich von Deutſchland trennt. Alles iſt jetzt wieder verdächtig geworden, ſogar das National⸗ gefühl des Oeſterreichers, ſogar ſein Haß gegen fremdes Joch und fremde Bedrückung! In dieſem Haß ſelbſt ſieht man die Möglichkeit einer Empörung, einen oppoſitionellen Geiſt, denn man ſieht, daß das Volk nicht mehr ſchläft, ſondern daß es wacht und denkt, und der Ge⸗ danke an ſich iſt ſchon eine Oppoſition. ZJede Begeiſterung für irgend einen Mann, der von der Freiheit und Unabhängigkeit Deutſchlands geſprochen, gilt für eine gefährliche Kundgebung, und man ächtet und verbannt die edelſten Männer, blos weil das Volk ſie liebt und von ihnen Großes hofft und erwartet! Das Volk ſoll immer nur ſchlafen, gehorchen und ſchweigen, es ſoll ſich für nichts begeiſtern, nichts lieben, nichts wünſchen und nichts denken. Es ſoll keine Helden haben, denen es anhängt, denn der Glanz der Helden möchte den Kaiſer verdunkeln, und der Ruf der Liebe klingt wie der Ruf zur Empörung!
Sie wollen da von den Erzherzogen Carl und Johann ſprechen, ſagte Thugut ruhig. Es iſt wahr, ich habe den Erzherzog Carl bei Seite geſchoben, denn ſeine Popularität beim Heer und beim Volk iſt ungeheuer, und mußte dereinſt dem Kaiſer gefährlich werden. Wir müſſen ſiegen mit Werkzeugen, nicht mit Helden; dieſe ſind ſehr unbe⸗
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