Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 2. Band (1859)
Entstehung
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Marſch Herzen ſorbirt. öturzes enn ich

hat ich

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Stirn, ſie iſt mit kaltem Schweiß bedeckt, und mein Herz zittert, wie es nie in einer Schlacht gezittert hat. Laß es genug ſein, ich bin erſchöpft, außer mir, Joſephine, öffne mir endlich Deine Arme!

Nun, ſo komm, Du böſer, Du geliebter Mann, rief ſie mit her⸗ vorſtürzenden Thränen, ihm die Arme entgegenbreitend.

Bonaparte ſtieß einen Freudenſchrei aus und preßte ſie mit wildem Ungeſtüm an ſein Herz und bedeckte ſie mit ſeinen Küſſen.

Jetzt, nicht wahr, jetzt iſt Alles wieder gut, Alles vergeſſen? ſagte er dann, ſie noch immer in ſeinen Armen haltend. Du verzeihſt mir meine tolle Leidenſchaft, meine häßliche Eiferſucht?

Ich verzeihe Dir, Bonaparte, wenn Du Beſſerung verſprichſt, ſagte ſie mit einem ſchönen Lächeln.

Ich verſpreche Dir, niemals mehr eiferſüchtig zu werden, ſondern bei jedem Rendezvous, das Du einem Andern giebſt, zu denken, daß es nur um meinetwillen geſchieht, und um für mich zu conſpiriren. Ach, mein braves Weib, Du haſt tapfer für mich gearbeitet, und von nun an weiß ich, daß ich Dir meine Ehre und meinen Ruhm mit voller Zuverſicht anvertrauen kann. Ja, ſelbſt die Zügel eines Staats würde ich Dir ohne Furcht anvertrauen. Bete alſo, Joſephine, bete, daß Dein Gemahl zu dem höchſten Range emporſteige, denn alsdann würde ich Dir eine berathende Stimme in meinem Conſeil zugeſtehen und Dich zur Herrin über Alles ſetzen, eins nur ausgenommen.*)

Nun, und das Eine wäre? fragte Joſephine lebhaft.

Das Eine, was ich Dir nicht anvertrauen würde, Joſephine, ſagte er lachend, das wären die Schlüſſel meiner Schatzkammer; dieſe, meine ſchöne, verſchwenderiſche Frau von Gaze und Spitzen, Brillanten und Perlen, dieſe würdeſt Du niemals bekommen*)

Ach, Du würdeſt mir alſo das Recht entziehen, Wohlthaten in Deinem Namen auszutheilen? fragte ſie traurig. Iſt das nicht die ſchönſte und köſtlichſte Pflicht der Frau eines großen Mannes, ihm durch Wohlthaten den Himmel zu erobern, während er ſich durch

*) Bonaparte's eigene Worte. Le Normand. 241. **) Le Normand. I. S. 242.