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Jetzt, Amelie, ſagte ſie haſtig, als die Thüren ſich hinter ihnen geſchloſſen, jetzt laß uns vor allen Dingen an meine Toilette denken. Ich kenne Bonaparte, er iſt immer ſtürmiſch, immer ungeduldig, er kommt immer früher, als er geſagt hat. Er wollte um zwei Uhr hier ſein, aber er wird um ein Uhr kommen und jetzt iſt es faſt ſchon die Mittagsſtunde. Laß ſchnell die Koffer heraufbringen, denn es iſt die höchſte Zeit zur Toilette.
Amelie eilte von dannen, die Befehle ihrer Herrin auszuführen, und Joſephine war jetzt ganz allein. Mit haſtigen Schritten eilte ſie zu dem großen Spiegel hin, der in dem zu ihrem Schlafzimmer be— ſtimmten Gemache aufgeſtellt war, und betrachtete aufmerkſamen; prü— fenden Blickes ihr Angeſicht.
Oh, oh, ich werde alt, murmelte ſie dann leiſe, Bonaparte muß mich ſehr lieben, wenn er das nicht ſieht, oder ich muß ſehr viel Kunſt anwenden, um es nicht ſehen zu laſſen. Eh bien, nons verrons!
Und ſie lächelte ſich ſelber ſo ſiegreich und reizend zu, daß ſich ſofort ihr Geſicht um ein Jahrzehent verjüngte und verſchönte. Oh, er ſoll mich ſchön finden und lieben müſſen, flüſterte ſie, denn ich liebe ihn ja ſo ſehr.
Eben trat Amelie wieder ein, beladen mit Kiſten und Cartons und gefolgt von den Dienern mit den großen Reiſekoffern. Joſephine überwachte ſelber das Niederſetzen der Koffer und Kaſten, ſie hatte ſelber Acht, daß keiner dieſer Cartons gedrückt und geſtoßen ward, und als alle dieſe Dinge endlich geordnet waren, ſchaute ſie ſich rings um mit einem triumphirenden Blicke, wie ein Feldherr, der ſeine Truppen muſtert und ſeinen Schlachtplan entwirft.
Jetzt ſchließ die Thüren, Amelie, und laß Niemand ein, ſagte ſie, ſich mit raſcher Hand das ſammetne Reiſekleid öffnend. In einer Stunde muß meine Toilette vollendet ſein! Aber halt! Zuerſt müſſen wir an Zephyr denken, er iſt krank und angegriffen. Das liebe kleine Thier kann das Fahren nicht vertragen, er hat mich unterwegs oft ſo ſchmerzvoll und flehend angeſehen, als wollte er mich beſchwören, doch
endlich dies fatale Reiſen aufzugeben. Komm her, Zephyr, komm her, zu mir, mein Thierchen.
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