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wird. Die armſeligſten Producte, denen ihr innerer Gehalt nicht ein Leben von zwei Stunden ſichern würde, drängen ſich in den Umlauf, weil eine Art von Muth mit ihrer Hervorbringung verknüpft zu ſein ſcheint. Die nüchternſten Scribenten fangen an, für„helle Köpfe“ zu gelten und die feilſten erheben ſich auf einmal zu„Märtyrern der Wahrheit.“ Tauſend bösartige Inſecten, die Ein Sonnenſtrahl der Wahrheit und des Geiſtes verſcheucht hätte, ſchleichen jetzt, begünſtigt von der Finſterniß, die man ihnen gefliſſentlich ſchuf, an die unbe⸗ wehrten Gemüther des Volkes und ſetzen ihr Gift— als wäre es eine verbotene Koſtbarkeit— bis auf den letzten Tropfen ab. Das einzige Gegengift, die Producte der beſſeren Schriftſteller, verliert ſeine Kraft, weil der Ununterrichtete nur allzuleicht den, welcher von Schranken ſpricht, mit dem verwechſelt, welcher die ungerechten gut heißt.“
„Nicht alſo, weil der Staat oder die Menſchheit dabei intereſſirt wäre, ob in dieſen von Büchern umflutheten Zeitalter tauſend Schriften mehr oder weniger das Licht der Welt erblicken, ſondern weil Ew. Majeſtät zu groß ſind, um einen fruchtloſen und eben deshalb ſchäd⸗ lichen Kampf mit kleinen Gegnern zu kämpfen:— darum ſei Preß⸗ freiheit das unwandelbare Princip Ihrer Regierung. Für geſetz⸗ widrige Thaten, für Schriften, die den Character ſolcher Thaten an⸗ ziehen, müſſe Jeder verantwortlich, ſtreng verantwortlich ſein: aber die bloße Meinung finde keinen andern Widerſacher, als die entgegenge⸗ ſetzte, und wenn ſie irrig iſt, die Wahrheit. Nie kann dieſes Syſtem einem wohlgeordneten Staate Gefahr bereiten, nie hat es einem ſolchen geſchadet. Wo es verderblich wurde, da war die Zerſtörung ſchon vorangegangen, und der gefräßige Schwarm wuchs nur aus der Ver⸗ weſung hervor!*)“
Nun? fragte Gentz mit glühenden Wangen und blitzenden Augen,
*) Sendſchreiben, Sr. Königlichen Majeſtät Friedrich Wilhelm III. bei ſeiner Thronbeſteigung allerunterthänigſt überreicht. Am 16. November 1797. Von Friedrich Gentz. Einzeln abgedruckt in Berlin bei Vieweg 1797, dann in Brüſſel 1820, auch mitgetheilt in dem Werk: Kleinere Schriften von Friedrich
on Gentz. Herausgegeben von Guſtav Schleſier, Th. I.
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