III.
Der Miniſter und die Lute aus dem Volkr.
Halten zu Gunden, Excellenz, daß ich ſtöre, ſtammelte der Haus⸗ hofmeiſter athemlos. Aber diesmal iſt es Ernſt. Das Volk ſtürmt das Thor, es beginnt ſchon in ſeinen Angeln zu krachen. In ſpäte⸗ ſtens einer Viertelſtunde werden die Aufrührer es genommen haben!
Das kommt davon, daß Ihr es ohne Noth habt ſchließen laſſen, rief der Miniſter. Wer gab Euch den Auftrag dazu? Wer befahl Euch, uns wie in einer Feſtung zu verbarricadiren, als hätten wir ein böſes Gewiſſen und fürchteten daher den Beſuch des Volkes?
Der Haushofmeiſter blickte mit ſtarrem Entſetzen in das Antlitz ſeines Herrn und fand kein Wort der Erwiderung.
Geht ſogleich hinunter, fuhr der Miniſter fort, laßt den Portier das Thor öffnen und Jedermann eintreten. Zeigt den Leuten den Weg hier herauf, und Ihr Schlingel, die Ihr da ſteht mit blaſſen Geſichtern und zitternden Knieen, öffnet die beiden Flügelthüren, da mit die Leute, ohne ſich zu ſtoßen, hier herein können. Nun thut Alle, wie ich Euch geheißen habe!
Der Haushofmeiſter verbeugte ſich mit einem Seufzer, welcher einem Todesächzen glich, und verließ eiligſt den Salon.
Die Diener aber eilten, mit zitternden Händen die Flügelthüren zu öffnen, ſowohl die, welche in den Vorſaal, als auch diejenigen, welche von dort auf den Corridor führten. Man hatte nun von den Plätzen am Tiſche aus einen freien Ueberblick nach der großen Treppe hin, welche auf den Corridor unmittelbar vor dem Vorſaal ausmündete.
Und jetzt, Germain, wandte ſich Thugut zu dem hinter ſeinem Stuhl ſtehenden Kammerdiener, jetzt laßt uns unſer Frühſtück haben. Seien Sie weiſe, lieber Graf, und folgen Sie meinem Beiſpiel, neh⸗ men Sie etwas von dieſem Sorbet. Er kühlt das Blut und iſt doch fenrig zu gleicher Zeit. Trinken Sie, lieber Graf, trinken Sie! Ach, ſehen Sie nur, mein Koch hat uns heuts ein vollkommen türkiſches
Mühlbach, Napolevn. 1. Abth. I. 2


