II. Der Miniſter von Thugut.
Der Premierminiſter Baron von Thugut befand ſich in ſeinem Arbeits⸗Cabinet in eifriger Unterhaltung mit dem neuen Polizei⸗ und Finanzminiſter von Saurau, welcher ihm Bericht erſtattet hatte über die glückliche Abführung des kaiſerlichen Staatsſchatzes, der gleich dem Kaiſer und der Kaiſerin den Weg nach Ungarn eingeſchlagen.
Das iſt gut, ſagte Thugut mit einem rauhen Lachen. In Ungarn ſind beide wohl geborgen, denn ich mein', ich habe den Ungarn hin— länglichen Schrecken eingejagt, daß ſie ſich ruhig und demäthig zeigen.
Ew. Excellenz meinen die Verſchwörung, die wir da vor zwei Jahren entdeckt haben, ſagte Graf Saurau lächelnd, und welche die fluchwürdigen Verräther mit dem Tode von Henkershand gebüßt haben!
De mortuis nil nisi bene! rief Thugut. Wir ſind dieſen guten Hochverräthern viel Dank ſchuldig, denn ſie haben uns Ungarn ebenſo zahm gemacht, wie die Hochverräther von vor zwei Jahren, die hier in Wien ihren Sitz hatten, uns die Wiener zahm gemacht haben. Es iſt immerhin ein ſehr nützliches und brauchbares Ding, eine ent⸗ deckte Verſchwörung, denn eine ſolche giebt immer die allerbequemſte Gelegenheit, ein warnendes Exempel zu ſtatuiren und mit den blutigen Köpfen der Empörer dem Volk zuzurufen:„ſo geſchehe Allen, die es wagen, wider die Regierung und ihre Herren zu murren!“— Die Wiener ſind gar willfährig und gehorſam geworden ſeit den Tagen, wo wir ihnen das Schauſpiel gewährten, den Platzhauptmann Heben ſtreit am Galgen hängen und den Baron Riedel, den Lehrer der kaiſer⸗ lichen Kinder, am Pranger ſtehen zu ſehen*). Und die Ungarn haben
*) Die Hebenſtreit'ſche Verſchwörung ward im Jahre 1794 in Wien entdeckt. Sie hatte, wie man ſagte, zum Zweck, dem Kaiſer eine demokratiſche Conſtitu⸗
tion abzutrotzen. Die ungariſche Verſchwörung, deren Leiter und Anſtifter der
Biſchof Joſeph Ignaz Martinowitz war, bezweckte, Ungarn von Oeſterreich los zureißen und wieder zu einem ſelbſtſtändigen Reich zu erheben, zu deſſen König
—


