Teil eines Werkes 
1. Theil (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

251

Ich ſage Ihnen, dies Buch iſt langweilig! ſagte eine fremde Stimme.

Mein Gott, rief eine andere, wie kann man nur dies Buch langweilig finden! Es iſt eins der Juwelen meiner Bibliothek! Den Rinaldo Rinaldini langweilig finden, unmöglich! Aber hier haben Sie ein anderes, mein Herr, Claurens Mimili. O, ich ſage Ihnen, das iſt ſchön, das iſt erhaben! O, Sie werden Ihre Freude haben. Später ſteht Ihnen dann Spieß, Kramer, ſo wie alle übrigen Schätze meiner Leihbibliothek zu Dienſten. O, Sie finden weit in der Umgegend keine Bibliothek, die es mit der meinen aufnehmen könnte.

Carl, ſagte Sophie leiſe, hörſt Du dieſe Stimme? Das kann Niemand anders ſein, als Bonaventura! Laß uns gehen! Mir graut vor ihm!

Sie nahm ihres Gatten Arm, und Beide wan⸗ delten weiter, hinunter in das Thal. Sophieens ſcharfes Ohr hatte ſie aber nicht getäuſcht, der Bibliothekar war in der That, Bonaventura von Ottersheim, aber auf dem Aus⸗ hängeſchild vor ſeinem Fenſter ſtand jetzt beſchei⸗ dentlich zu leſen:Leihbibliothek von Fritz Wendt. 3

Der arme freiheitsberauſchte Dichter war in ihm erſtorben, und ſeine Begeiſterung und ſeine Reime waren an jenem Tage der Schreckniſſe für immer verklungen.

Jetzt war nur noch ein armes, beſcheidenes und demüthiges Menſchenkind von dem einſt ſo glänzen⸗