Teil eines Werkes 
1. Theil (1859)
Entstehung
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Nicht einen Moment wich ſie von dem Bette ihres Gatten, keine Hand, als die ihrige, durſte ihm die Arzneien reichen, ihm das Kiſſen rücken, keiner als ſie allein durfte Nachts an ſeinem Lager wachen, und wenn Otto die Augen aufſchlug, wenn er ihren ſtrahlenden, liebenden Blicken begegnete, die auf ihm ruhten mit unendlicher Liebe, dann lächelte er, wie in ſeliger Verklärung, und Beide nickten ſich zu, glückſelig, ſtumm vor Wonne.

So war das Krankenlager Otto's gewiſſer⸗ maßen zu einem Altar geworden, vor dem ſich ihre Herzen auf's Neue vereinigt und verbunden hatten zu ewiger, nun unauflöslicher Liebe, vor dem ihre Seelen den Schwur ewiger Treue auf's Neue ge⸗ wechſelt hatten.

Otto, ſagte Minna einſt, als ſie vor ſeinem Bette knieete, mein Geliebter, verzeihſt Du mir? Sieh, ich war eine Verirrte, aber Gott führte mich zurück auf die rechte Straße, und lehrte mich er⸗ kennen, wie ſchwer ich gefehlti

O meine Minna, ſagte Otto, und iſt nicht das wiedergefundene Glück ſchöner als ein nie verlornes? Sich niemals von der rechten Straße verirren kön⸗ nen, das iſt nicht verdienſtlich, aber von dem Irr⸗ wege ſich wieder zurecht zu finden, Minna, das iſt anerkennenswerth und groß!

Sie küßte ſeine Hand, und fühlte ſich von ſei⸗ nem Kuſſe wie entſündigt und geſegnet zu neuem Leben. 2

Während aber Otto der Geneſung zuſchritt,