Teil eines Werkes 
1. Theil (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

236

O Carl, fuhr ſie fort, während Thränen der Rührung ihre Wangen netzten, konnteſt Du denken, mein Herz könne ſich von Dir abwenden, der Du meines Lebens Retter warſt, von Dir, den, als ich verzweifelnd, ſinnlos meiner Vergangenheit entfloh, Gott in meinen Weg führte, damit mir durch Dich eine neue Zukunft begründet werde! O mein Ge⸗ liebter, Gott ſelbſt hat uns an einander gewieſen, und wer will zerreißen, was Gott verband.

Geliebter! Sie nennt mich ihren Geliebten! rief Carl mit dem Jauchzen der Freude.

Und wie willſt Du, daß ich Dich anders nenne, ſagte ſie erröthend, und ſich leiſe an ihn ſchmiegend,

flüſterte ſie: Carl: ich habe geſtern meinen Bruder

begraben, ich habe nun keinen Bruder mehr!

Und ich, Sophie, und ich?

Du, flüſterte ſie kaum hörbar, Du biſt nicht mein Bruder, denn ich liebe Dich, Carl, ich liebe Dich mit voller, ganzer Seele, und ich will Dich nicht meinen Bruder, ſondern meinen Geliebten, mei⸗ nen Gatten nennen!

O mein Gott! mein Gott! ſchrie Carl im Ueber⸗ maß des Glückes, und hob ſeine Arme gen Himmel, als wolle er Gott zum Zeugen anrufen ſeines Glückes. Mehr ſagte er nicht. Aber ſie barg, weinend vor tiefem, heiligem Glück, ihr Haupt an ſeiner Bruſt, und flüſterte wieder: ich liebe Dich!

Ein einziger Schrei der Freude, des Entzückens tönte von ſeinen Lippen, dann ſchlang er ſeine Arme um die Geliebte, und drückte ſte feſt, feſt an ſein