Teil eines Werkes 
1. Theil (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

lange; denn, Otto, ſeit einiger Zeit arbeiteſt Du nicht mehr, und wir, die wir der Arbeit gewöhnt ſind, laſſen ſie nur, wenn wir ganz troſtlos ſind, ganz verzweifelt!

Aber nein, Mutter Anna, ſagte Otto, Du irrſt in der That. Wenn ich weniger jetzt arbeite, ſo geſchieht es, weil ich keine Zeit mehr dazu finden kann. Die vielen Beſuche, die vielen Geſellſchaften hindern mich ein wenig!

Und wer hat dieſe Geſellſchaften geſucht und gewollt, Du etwa, mein Sohn? Warſt Du es, der zu Minna ſagte, wir wollen das liebe kleine Haus da drüben verlaſſen, und uns eine lächerlich aufge⸗ putzte neue Wohnung nehmen? Warſt Du es, der ſagte, wir wollen in Geſellſchaft gehen, und uns müßig herum treiben bei den reichen, müßigen Leu⸗ ten? wir wollen nicht mehr arbeiten, wir wollen nur in nutzloſen Zerſtreuungen unſer Leben hin⸗ bringen? Antworte mir, Otto, warſt Du es, der alles das wollte? Du ſchweigſt, fuhr ſie fort, denn Du weißt, daß Du es nicht warſt, Du weißt, daß alles dies veranſtaltet ward von Minna, von dieſem thörichten, eitlen jungen Weibe, die wie ein un⸗ wiſſendes Kind hinein rennt in ihr Verderben.

Sprich nicht ſo, Mutter Anna, ſagte Otto faſt ſtteng, Minna iſt mein Weib, und ich kann es ſelbſt von Dir nicht dulden, daß ſie geſchmäht wird. Minna iſt gut und edel im Grunde ihres Herzens, ſie hat Fehler und Mängel, ſie iſt aber auch ſo jung noch, und ſo lebensvoll, und endlich wird ihre