Teil eines Werkes 
2. Theil (1859)
Entstehung
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Aber Otto hätte auch den Vergleich mit andern Männern ſonder Scheu beſtehen können. Sein edles, ausdrucksvolles Geſicht, ſeine ſchöne hohe Geſtalt verfehlten nicht, überall Eindruck zu machen und für manche hübſche Bürgerstochter Berlins war er der Gegenſtand heimlicher Wünſche geweſen. Eine große Ruhe und Würde war ſeinem Weſen eigen und da⸗ bei zeigten ſeine Züge den Ausdruck einer ſolchen Milde und Herzensgüte, daß ſein Anblick unwillkür⸗ lich Vertrauen und Achtung gewann. Und wie Minna jetzt, ſeit geſtern Otto's Weib, an ſeiner Seite ſaß, da klangen in ihrem Herzen alle die Lob⸗ ſprüche wieder, welche ihm vorher von den Geſellen ertheilt worden und eine unausſprechliche, ſtolze Wonne ſchwellte ihre Bruſt.

So lange ich lebe, will ich ihn lieb haben, ſagte ſie und ihm gut ſein, denn er iſt der klügſte und beſte aller Menſchen, das iſt gewiß und auch der reichſte. Wie ſchön iſt hier Alles und wie glänzend.

Ihren nicht verwöhnten Augen däuchte jeder po⸗ lirte glänzende Tiſch ein koſtbares Meubel und ſie fragte ſich nur immer ſtaunend, ob ihr das Alles gehöre und ob ſie wirklich die Gattin des reichen und ſchönen Meiſters Otto geworden.