213
Beiſpiel Preußens folgen. Preußen hat daher nur nöthig, dem König von Ungarn und Böhmen ſeine Stimme zu verweigern, und er wird nicht zum Kaiſer von Deutſch⸗ land gewählt werden, und Preußen wird alsdann nicht den Kaiſer Leopold als ſeinen natürlichen Herrn anzuer⸗ kennen haben.“
„Ich wünſchte, Preußen faßte dieſen Entſchluß,“ ſagte Kaunitz gelaſſen,„denn alsdann würde dieſer Ent⸗ ſcheidungskampf, der ſonſt noch hundert Jahre hinaus geſchoben wird, jetzt ſchon ſtattfinden, und ich würde den Triumph Oeſterreichs, das heißt den Triumph der guten und gerechten Sache über die Anmaßungen und Präten⸗ ſionen Preußens noch mit genießen können.“
„Ew. Durchlaucht bedienen ſich da ſehr herber und verletzender Ausdrücke,“ rief General Biſchofswerder ge⸗ reizt.„Sie würden mich tiefer verletzen, wenn ich ſie zu⸗ gleich als den Ausdruck der Geſinnung des Königs von Ungarn betrachten müßte. Aber zum guten Glück hegt Se. Majeſtät eine ganz andere Meinung. Er hat mich zu wiederholten Malen verſichert, daß eine aufrichtige Verſöhnung Oeſterreichs und Preußens ſein dringender Wunſch ſei, und daß er Alles dazu thun wolle, eine ſolche zu erreichen.“
„Aber es wird ihm nicht gelingen,“ ſagte Kaunitz achſelzuckend.„Oeſterreich müßte, um mit Preußen ſich
—


