250
Die Königin ſchaute ihm nach, bis er in der Thür des Vorſaals verſchwunden war, dann zog ſie ihre beiden Kinder feſter an ihr Herz, und die großen, von Thränen umdüſterten Augen zum Himmel erhebend, flüſterte ſie: „Nein, Gott will nicht, daß wir entfliehen! Gott will, daß wir dulden und leiden, und gedemüthigt werden, wie einſt der Meſſias gedemüthigt worden. O Gott, gib uns dann auch die Kraft den Tod zu erdulden, wie Er, und wenigſtens zu ſterben als Könige, da wir nicht als Könige mehr leben dürfen!“—
Unterdeſſen harrten Barnave und Thugut immer noch auf die Königin und ihre Kinder. Barnave als Kut⸗ ſcher verkleidet, ſaß auf dem Bocke des Fiaeres, der dicht neben dem großen Gitterthor des Parks der Tuilerien hielt; Baron Thugut, in der Uniform eines Nationalgar⸗ diſten, ſtand neben dem Thor und blickte ſpähend die lange Allee, die zum Schloſſe führte, hinauf.
Keiner von ihnen wagte zu ſprechen, die erwar⸗ tungsvolle Stille durch ein gleichgiltiges Wort zu unter⸗ brechen. Die Dämmerung war hereingebrochen, und im⸗ mer noch, immer ſpäheten Beide vergeblich nach der Ge⸗ ſtalt ihrer Thervigne mit den beiden Kindern.
Zetzt indeſſen zeigte ſich da am Ende der Allee eine dunkle Menſchenwoge, ſie kam ſchreiend und brül⸗


