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tern, umgaben drüben die ſteilen Felswände das brauſende Waſſer. Schwebenden, geflügelten Schrittes eilte Giſela
dem Ufer zu, mit geſchickten Händen löſte ſie eins der Boote von der haltenden Kette, und es be⸗ ſteigend und mit einem feſten Rucke abſtoßend vom Ufer, überließ ſie das Boot dem Spiel der Wogen.
Eben trat der Mond aus den Wolken hervor, und beleuchtete ein wunderbar phantaſtiſches Bild: den brauſenden, in hohen Wellen ſich aufbäumen⸗ den See, und ſchaukelnd auf ſeinem Rücken hin und her geſchleudert das kleine Boot, darin knieend, die Arme über der Bruſt gekreuzt, das Autlitz auf⸗ wärts gekehrt, die weiße Geſtalt Giſela's, vom Mondlicht wie von einer Glorie umfloſſen.
Selbſt die Wogen ſchienen Mitleid zu haben mit dem bleichen, ſtillen, widerſtandloſen Mädchen, ſelbſt der Sturm ſchien ſich zu legen, koſend und ſtill trugen die Wogen den Kahn abwärts, mitten hinein in die Fluth.
Nur zuweilen hoben ſich einzelne Wellenhäupter,
wie lüſtern, nach der ſchönen Beute empor, und leckten hinein in das Boot, nur zuweilen plätſcher⸗ ten ſie, wie in ſüßem Gekoſe mit ihrer bleichen, ſtillen Braut, heran zu Giſela; dann zogen ſie murmelnd weiter, ihren Schweſtern zu erzählen
von der ſchönen Beute, die ihrer harre.
Giſela lag immer noch auf ihren Knieen, die Arme über der Bruſt gekrenzt, inbrünſtig betend.


