Teil eines Werkes 
3. Theil, Zwei Lebenswege : 3. Band (1860)
Entstehung
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ahnungslos, heute gab es für ſie keine Erfahrun⸗ gen und Schmerzen, und jauchzend, lachend, fröh⸗ lich und arglos, wie ein Kind, hüpfte und tanzte ſie mit dem wieder geneſenen Liebling umher. Lange Spaziergänge wurden unternommen.

Welche Wonne für ſie, dem Freunde alle ihre Lieblingsplätze zu zeigen, an denen ſie ſonſt ein⸗ ſam geſeufzt und geklagt, ihn an den Rand der Abgründe zu führen, und ihm leiſe die gefährli⸗ chen Zuflüſterungen zu wiederholen, welche einſt die Stimmen des Abgrunds ihr gemacht.

Welches Entzücken, ſich jetzt von zwei lieben⸗ den Armen gehalten, und angſtvoll von dieſem finſtern, verlockenden Abgrund zurückgezogen zu fühlen! 2

Nein, fürchte nichts, ſagte ſie mit einem glücklichen Lächeln ſich an ihn ſchmiegend,kein Ton von da unten dringt mehr zu mir herauf. Mein Ohr iſt taub geworden für alles Andere, nur nicht für Deine Liebesworte. Komm, laß uns weiter gehen, den holden Zuflüſterungen zu lauſchen, die aus Buſch und Wald uns entgegen tönen!

Und wie eine Gazelle hüpfte ſie dahin über ſpitziges Geſtein, hinauf zu den Spitzen und Kup⸗ pen des zackigen Gebirges, den Freund ſüß lockend und vor dem Heraneilenden hinter einem Felsvor⸗ ſprung ſich verſteckend, bis er ſie fand, und jauch zend ihren Mund mit Küſſen bedeckte!