an den Qualen, dem unverdienten Leid der Ver⸗ gangenheit? Du glaubſt an meine Unſchuld, Du zitterſt nicht, Deine Zukunft der meinen zu ver⸗ einen?“
„Ich glaube an Dich, denn Deine Seele ſteht in Deinen Augen, Giſela. Du haſt gelitten, Kind, und geduldet, gleich mir, Du ſollſt glücklich ſein, gleich mir! Die Glücklichen, Giſela, das ſind die wahren Kinder Gottes, und wo ein Auge im Freudenſtrahl des Entzückens glänzt, da ſendet Gott ſeinen Segen hernieder.“
„So möge er uns ſegnen!“ ſagte Giſela, ſich
an ihn ſchmiegend.
Die Sonne war hinabgegangen, der Himmel ſtrahlte in purpurner Glut, und machte die Spitze des nahen Gletſchers leuchten, wie in ſeliger Ver⸗ klärung; die fernen Bergſpitzen flammten wie in Gold getaucht, und auch die Felsſpitze, auf wel⸗ cher Giſela an Leontin's Seite ruhte, war unfloſſen von dem letzten Aufflackern der Abendglut.
Still war es rings umher, in der Ferne nur hörte man herüber und hinüber das Jodeln und Singen der Sennerinnen, oder das melodiſche Läu⸗ ten der Heerden.
Und jetzt begann von nah und fern das Abend⸗ glockenläuten, die Sennerinnen ließen einen Augen⸗
blick ihr Jodeln verſtummen, und begannen dann
den feierlichen Geſang des Ave Maria; der ſäu⸗ ſelnde Wind führte von den nahen Triften bal⸗
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