beſonderer Reiz verliehen durch den ernſten, jung⸗ fräulichen Stolz, der ihre ganze Erſcheinung um⸗ floß, und Jeden, der ſich ihr nahte, unwillkürlich und oft wider ſeinen Willen zur Achtung und Anerkennung zwang.
Giſela ſuchte nicht zu imponiren, und deshalb imponirte ſie um ſo mehr durch ihre hohe, edle Erſcheinung; ſie wollte nicht den Stolz und die Würde als einen Panzer gegen die Welt um ihre Bruſt decken, aber ihre Unſchuld, ihr reines Be⸗ wußtſein, die edle Seele, die aus ihren Zügen ſprach, ward ihr unbewußt zu einem Schilde, das die Geringſchätzung, die Nichtachtung und Frechheit mindeſtens aus ihrer Nähe verbannte. Ob ſie dem entzückten Kreiſe ihrer Zuhörer mit ihrer vollen, herrlichen Stimme zur Harfe ihre Lieder ſang, ob ſie mit hoher Begeiſterung in Blick und Stimme die Dichtwerke edler Geiſter las, ob ſie mit heiligem Ernſte über das Wohl und die Angelegenheiten des Landes ſprach, oder mit leichtem, anmuthigem Scherz die Falten von der Stirn des Fürſten verſcheuchte, immer war ihr Weſen von unendlicher Hoheit und An⸗ muth unfloſſen, und gewann wenigſtens momen⸗ tan ſelbſt die Herzen ihrer Feinde und Wider⸗ ſacher.
Und das innigſte, edelſte und beglückendſte Ver⸗ hältniß war es, das ſie dem Fürſten verband, die reinſte und heiligſte Freundſchaft ſchien dieſe
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