Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 2. Band (1860)
Entstehung
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Welt nicht empor reichten zu der Höhe, auf wel⸗ cher Sie ſtanden? Oh, man hat ſich aus der Verleumdung eine Brücke gebaut, um zu Ihnen zu gelangen, um Sie hinab zu reißen in den Staub und Wuſt der Erde, um Sie zu beſchim⸗ pfen mit dem Schmutz niedern Verdachtes! Man kennt hienieden keine Schonung und kein Erbar⸗ men, und über die Edelſten und Größten ruft die Welt noch immer ihr: Steiniget, Steiniget! Das wußten, das bedachten Sie nicht, als Sie mir geſtatteten, Sie täglich zu ſehen, mich Ihrer Iugend, Ihres reinen Sinnes zu freuen!

Oh, ſeufzte Giſela,es iſt alſo wahr, was ich geſtern von rohen Stimmen rufen hörte, man hält mich

Sie verſtummte, und ſenkte matt ihr Haupt auf ihre Bruſt. Eine Pauſe trat ein.

Man hält Sie für meine Geliebte, für meine Maitreſſe, ſagte dann der Fürſt in bitterm, iro⸗ niſchen Ton. Man glaubt weder an die Uneigen⸗ nützigkeit meiner Freundſchaft, noch an die Rein⸗ heit Ihres Weſens. Was wollen Sie, die Welt iſt einmal ſo gemacht! Was ſie nicht begreifen

kann, das verachtet, das beſudelt ſie, um ſich end⸗

lich erhaben über das beſchimpfte Erhabene zu

fühlen! Haben Sie bei der Menſchheit gebaut auf.

Vertrauen, auf Glauben? Haben Sie gemeint, die Welt gewinnen zu können durch die Wahrheit, die Freimüthigkeit Ihrer Seele? Hrben geglaut