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ſagte ſie mit ſtolzer Ruhe:„er iſt ein Elender, ein Heuchler! Ich darf niemals um ihn klagen, niemals mehr ſeiner gedenken! Ich werde ihn ver⸗ geſſen!“
Die Erinnerung an Walther's Perfidie war ihr gewiſſermaßen der ſchwere Stein, mit dem ſie die Leiche ihrer Liebe hinabſenkte in das Meer des Geweſenen, damit ſie nie wieder hervortauchen könnte an die Oberfläche der Gegenwart.
Einmal dieſe Leiche begraben warf ſie den Trauerflor und den Schmerz von ſich, und be⸗ ſchloß wieder zu leben, zu kämpfen, zu ringen nach Glück. Sie ſchüttelte den Staub von ihren Füßen, und beſchloß weiter zu gehen, nicht zu achten der Beſchwerlichkeit des Weges, der Schmerzen ihrer verwundeten Seele, ſondern durch die Ueberwin⸗ dung ihrer Schwäche ſich Geſundheit und Ruhe zu erkämpfen. Sie fühlte in ſich den ewigen, heiligen Drang nach Glück, die Berufung, einzig nach dieſem zu ſtreben und nimmer in dem Suchen zu verzagen. Ihre urkräftige, volle Natur war nicht beſtimmt, in kränkelndem Schmerze zu ver⸗ kümmern, ſie mußte in neuem Werdedrang immer wieder ſtreben nach der Vollkraft der Gefundheit.
Giſela konnte nur unglücklich oder glücklich ſein; für ſie gab es nicht dies unter Seufzern und Klagen hingejammerte Vegetiren, dies lange troſt⸗ loſe Dulden. Der Sturm des Schmerzes mußte ſie entweder zerbrechen, oder ſie richtete ſich höher


