Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 2. Band (1860)
Entstehung
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Liebe! Pah, ſprechen Sie das Wort nicht aus! Sie entheiligen es, denn Sie wiſſen nicht, was Liebe iſt!

O mein Gott, Sie haben ſie mich kennen gelehrt, die Liebe! Ich leide, ich ſeufze, ich ver⸗ zehre mich in Sehnſucht und Verzweiflung; ich irre die Tage umher in wehmuthsvollen Klagen, ich winde mich die Nächte auf meinem Lager in ver⸗ zweiflungsvoller Pein! Meine Seele ruft nach Ihnen in fieberiſchem Sehnſuchtsdrang, und alle meine Pulſe klopfen nach Ihnen. Und Sie ſagen, ich kenne die Liebe nicht? Aber Sie, Judith, Sie kennen ſie nicht, Ihnen iſt dies beſeligende und vernichtende Gefühl fremd. Ihr Herz iſt kalt und gefühllos, Sie ſind der Liebe unfähig!

Der Liebe unfähig, wiederholte ſie mit weh⸗ müthigem Ausdruck, und erhob den ſchwärmeriſchen feuchten Blick gen Himmel. Ich, der Liebe unfähig. O mein Gott, zeigt mir nur den Mann meiner Träume, das Ideal meiner ſtillſten, heiligſten Stunden. Zeigt mir den Mann, nach dem meine Seele ſchreit im Schmerz und Glück der Sehn⸗ ſucht! Zeigt ihn mir in ſeiner ſtolzen, göttlichen Schönheit, mit dem gebietenden Blick, der hohen, gedankenvollen Stirn, zeigt mir dieſen Mann, und ich will vor ihm niederfallen, ihn anzubeten, ſeine Kniee zu umklammern, und ihn als meinen Herrn, meinen Gebieter zu preiſen. Sie war ſchön, während ſie ſo ſprach. Ihr