einen glänzenden und unbeſtrittenen Erfolg er⸗ langte, und dieſer freilich konnte nur dazu die⸗ nen, ſeine Selbſtbewunderung zu erhöhen, und die hohen Begriffe, die er von ſich ſelber hegte, zu ſteigern. Baron Walther ward ein vollkom⸗ mener Roué, ohne aber auch nur ein einziges Mal von dem Taumel der Luſt mit fort geriſſen zu werden, ohne ein einziges Mal ſeiner hohen Würde, ſeiner fürſtlichen Herkunft vergeſſen zu haben. Inmitten aller Genüſſe des Lebens ſtand er da mit ernüchterten Sinnen, mit kalter farb⸗ loſer Phantaſie, und bald begannen dieſe Triumphe ihn zu ermüden und anzuwidern; eine tödtliche Langeweile bemächtigte ſich ſeiner, und verge⸗ bens blickte er umher nach einem Mittel, dieſe zu betäuben, und ihm mindeſtens Zerſtreuung zu geben.
Das Leben zeigte ihm vergebens ſeine üppigſten, lockendſten Farben und Bilder, ihm erſchien Alles in das erdrückende einförmige Grau der Langeweile gehüllt, und an der reich beſetzten Tafel der Freude und des Genuſſes hungerte und darbte er umſonſt nach Zerſtreuung und Luſt.
Um dieſe Zeit erheiſchte ein ſehr wichtiger Prozeß ſeine Gegenwart in W., und nach lan⸗ ger Abweſenheit kehrte er nun dahin zurück; jetzt erſt lernte er Judith kennen, die durch das bizarre Teſtament ihres Gemahls zu ihm
in eine ſo eigene feindliche Stellung gekommen,
Zwei Lebenswege. I.
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